Thomas Weinhappel steht als Macbeth im roten Königsmantel und schaut seine Frau Lady Macbeth (Leah Gordon) an. Im Hintergrund steht ihre Gefolgschaft.

Sängerkrieg und Machtkämpfe

Giuseppe Verdi: Macbeth

Theater:Opernfestspiele Heidenheim, Premiere:16.07.2026Vorlage:MacbethAutor(in) der Vorlage:William ShakespeareRegie:Andreas BaeslerMusikalische Leitung:Marcus BoschKomponist(in):Giuseppe Verdi

Die Opernfestspiele Heidenheim, kurz OH!, bringen „Macbeth“ von Giuseppe Verdi auf die Bühne. Die Inszenierung von Andreas Baesler überzeugt mit gutem Ensemble und herausragendem Chor.

Nach den ersten Klängen der Ouvertüre hebt sich der Vorhang. Auf der Bühne steht ein einsamer Mann in rotem, mit weißem Hermelin besetztem Mantel und erhobenem Schwert vor einem rötlich-orangenen Prospekt. An den Seiten stehen Männer in schwarzen Overalls und weißen Neutralmasken vor den Gesichtern. Über der Bühne erscheint die Inschrift: „Ende der Vorstellung“. Schon stürmt ein Putzkommando und ein Pulk schwarzgekleideter Bühnentechniker die Szene. Der Zug mit dem Prospekt wird herabgelassen. Die Leinwand aufgerollt. Während sie noch herumwerkeln, verwandeln sich Putzfrauen und Bühnentechniker:innen zum Chor der Hexen.

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Ehrgeiz, der die Welt vernichtet

So beginnt bei den Opernfestspielen Heidenheim „Macbeth“ von Giuseppe Verdi. Andreas Baesler, der auch für Kostüme und Bühnenbild verantwortlich ist, verlegt die Handlung aus dem düsteren Schottland in die Welt der Bühne selbst. Da genügen wenige Requisiten. Drei Schminkkommoden mit Leuchtspiegeln, ein Stuhl als Thron. Ein roter Sessel, ein Podest und das Herauf- und Herunterfahren der leeren Zugstangen oder von Lichttraversen. Mit diesen Mitteln entsteht eine doppelte Perspektive: einerseits die eitlen Sänger:innen, die sich in ihre Theaterintrigen verstricken, andererseits „the tragedy of ambition“. Politischer Ehrgeiz, der Macht einfordert und dazu über Leichen geht, wirkt selbstzerstörerisch und weltvernichtend zugleich.

Weil die ganze Welt eine Bühne ist, kann König Duncano (Oliver von Fürich) mit Corona-Maskenschutz über die Szene schlurfen. Oder Santiago Bürgi im Military-Look als Malcolm in der mittlerweile zerstörten Welt – Züge liegen quer in die Szene, deren Boden mit Papier vermüllt ist – Selfies machen. In der Fassung von Verdi und seinem Librettisten Francesco Maria Piave – in Heidenheim wird die Florenzer Fassung von 1847 gespielt – spielt Lady Macbeth eine stärkere Rolle als bei Shakespeare.

Höhen und Tiefen einer Karriere

Leah Gordon, am Anfang in einem schwarzen Hosenanzug, der sie streng wirken lässt, dann auf dem Höhepunkt der Macht in einem roten Kleid. Am Ende, als der Wahn sie besitzt, spielt und singt sie in weißem Nachtkleid die Höhen und Tiefen ihrer Karriere voll aus. Sie erfüllt den Wunsch von Verdi, keinen Belcanto zu singen, sondern entsprechend der dramatischen Situation zu agieren.

Lady Macbeth steht vorne rechts und ist wie im Wahn. Sie starrt ein Schwert in einem Stein an. Im Hintergrund stehen ihre Kammerzofe und ein Arzt und beobachten sie.

Julia Rutigliano (Kammerzofe), Rory Dunne (Arzt) und Leah Gordon (Lady Macbeth im Wahn). Foto: Oliver Vogel

Thomas Weinhappel reagiert als Sänger zunächst mit starkem Selbstbewusstsein. Als Macbeth hingegen ist seine Rolle kleinmütig angelegt, der Königsmantel ist ihm zu groß. Am Ende spielt er mit weiß geschminktem Gesicht sein eigenes Denkmal. Er steht aufrecht mit erhobenem Schwert. Wenn Malcolm mit dem Dolch auf ihn einsticht, wehrt er sich nicht. Sein Konkurrent Banquo wirkt souveräner. Don Lee gibt ihm warme Töne. Julia Rutigliano als Kammerzofe, David Esteban als steifer Macduff oder Rory Dunne als Diener-Inspizient überzeugen sowohl stimmlich wie spielerisch in diesem famosen Ensemble.

Applaus für den Chor

Star des Abends ist der „Tschechische Philharmonische Chor Brünn“ in der Einstudierung von Eduard Kostelnik: ein wunderbarer Stimmkörper und zugleich sprühend vor Spiellust. Wenn auch die ersten Töne der Ouvertüre leicht verrutscht klangen, brilliert das Orchester der Opernfestspiele Heidenheim, „Capella Aquileia“, unter der Leitung von Marcus Bosch. Es gelingt ihm, in einem Raum, der mehr als 3000 Zuschauer:innen fasst und nicht unbedingt als Theater eingerichtet ist, einen überzeugenden Klangraum herzustellen.

Mit „Macbeth“, der zehnten Opernkomposition von Verdi, knüpfen die Heidenheimer Festspiele unter der Leitung von Marcus Bosch wieder an eine alte Tradition an, das frühe Opernwerk des Italieners auf die Bühne zu bringen. Das ist mit „Macbeth“ gelungen. Standing Ovations des Festspielpublikums.