Foto: Sylvana Schneider (links) und Jana Alex Rödiger (rechts) in „Haus blaues Wunder“ von Ingeborg von Zadow am Theater Konstanz. © Philipp Uricher
Text:Manfred Jahnke, am 27. April 2026
Milan Gather inszeniert am Theater Konstanz das Stück „Haus blaues Wunder“ von Ingeborg von Zadow. Mit viel Liebe zum Detail durch die Regie und die zwei Darstellerinnen gelingt ein grandioser Theaterabend, der viel Spaß bereitet.
Ein kleines blaues Haus am Meer – wer möchte da nicht einziehen? Der nette Makler, der nach diesem Deal verschwunden ist, verkauft das wundersame Haus gleich zwei Mal: einmal an Herrn Pfefferkorn, der alle seine Ersparnisse für dieses neue Heim aufgebraucht hat und allein mit einer Tasche und seinem Eichhörnchen Badesalz einzieht. Andererseits erscheint der Herr Goldbeutel, der einen riesigen Koffer mit sich führt und per Möbelwagen eine Unmenge an Kisten und Requisiten herankarren lässt. Die Probleme sind vorprogrammiert: Jeder beansprucht für sich den Raum, der, auch wenn er geteilt wird, heftig umkämpft wird. Als sich dann herausstellt, dass es nicht einmal das versprochene Meer gibt, ziehen die beiden wieder davon.
Liebevoll ausgefeilte Komik
In „Haus blaues Wunder“, 2015 uraufgeführt im Jungen Nationaltheater Mannheim, erzählt die Autorin Ingeborg von Zadow eine absurde und poetisch verdichtete Geschichte. Von zwei Menschen, die zufällig aufeinandertreffen und sich in all ihren gegensätzlichen Interessen arrangieren müssen. Was für ein Material für zwei Schauspielerinnen! Jana Alexia Rödiger als Herr Goldbeutel und Sylvana Schneider als Herr Pfefferkorn – beide mit smarten Schnurrbärten versehen – nutzen diese Schlacht als komödiantisches Spiel zwischen Slapstick und hochdramatischer Szene.
In seiner Regie arbeitet Milan Gather liebevoll und detailliert die Tücken einer Welt heraus, die in „Meins“ und „Deins“ unterscheidet. Wie er Jana Alexia Rödiger am Anfang mit ihrem großen Koffer agieren lässt, aus dem heraus Bett und Telefonzentrale entstehen, wie sie den Vertrag ihres Mitbewohners zu vernichten versucht, verläuft haarscharf auf der Grenze zwischen kurz vor dem Absturz ins Banale und ausgefeilter Komödiantik. Gather gelingt es immer wieder, diese Abstürze in starken absurden Szenen aufzufangen. Wenn die beiden Herren lautstark streiten, dann fällt als Running Gag ein kleiner Pfosten um, den Herr Pfefferkorn mit seinem Klebeband immer neu zu befestigen sucht.

Sylvana Schneider und Jana Alex Rödiger in ihrer orange-blauen Welt. Foto: Philipp Uricher
Zwischen Orange und Blau
Das Bühnenbild von Phin Mindner unterstützt die Absurdität der Handlungen. Auf einem Podest stehen in der Mitte hinten Schwingtüren wie bei dem Zugang zu einem Westernsaloon. Daneben ragen lose Gerüste, die u. a. ein Fenster andeuten. Alles ist in leichte Blautöne getaucht. Dieses „Haus“ erinnert in seiner Konstruktion eher an eine baufällige Ruine. Dagegen sticht die Welt von Pfefferkorn und Goldbeutel mit grellen Farben heraus. Orangetöne in allen Schattierungen dominieren. Auch in den Kostümen von Phin Mindner spiegeln sich diese Farben. Herr Goldbeutel trägt in dieser Farbe einen feinkarierten Anzug und auch das Freizeitoutfit des Herrn Pfefferkorn wird von orangefarbenen Tönen bestimmt.
Jana Alexia Rödiger als Herr Goldbeutel versucht, die Bestimmerin zu spielen. Sylvana Schneider bildet einen starken Widerpart. Kurz: Was hier, auch mit der gleichermaßen atmosphärischen wie eingängigen Musik von Jonas Bolle, entstanden ist, entwickelt mit seiner Energie eine starke Wirkung. Eine grandiose Inszenierung, bei der nur ein kleiner Makel anzumerken ist. Die Figur des Badesalz, des Eichhörnchens, bleibt unbelebt, wird nicht animiert. Das ist schade, aber es nimmt nichts vom positiven Eindruck dieser Inszenierung weg. Es ist erstaunlich, dass dieses Stück von Ingeborg von Zadow so selten gespielt wird.