Das Ensemble lehnt im Hintergrund an das Metallgerüst. Vorne stehen Timm Thaler (Hardy Punzel) und Baron Lefuet (Simone Oswald). Lefuet legt den Arm um Thalers Schulter.

Das Märchen vom verkauften Lachen

Lukas März, James Krüss: Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen

Theater:Schauburg München, Premiere:12.04.2026Vorlage:Timm Thaler oder Das verkaufte LachenAutor(in) der Vorlage:James KrüssRegie:Kilian BohnensackMusikalische Leitung:Nicholas von der Nahmer, Felix NynckeKomponist(in):Nicholas von der Nahmer, Felix Nyncke

An der Schauburg München inszeniert Kilian Bohnensack den Klassiker „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ von James Krüss. Ein Theaterabend, der viel Spaß macht, dabei aber auch den mahnenden Charakter der Geschichte hinter sich lässt.

Kinderbuchklassiker wie „Timm Thaler oder Das verkaufte Lachen“ von James Krüss, 1962 erschienen, kommen nicht mehr oft in einem Theater für ein junges Publikum vor. Dabei erscheint diese kapitalismuskritische Geschichte bedrängend aktuell. Sie erzählt von einem Jungen, der seiner Armut wegen sein Lachen an den reichsten Mann der Welt, Baron Lefuet, verkauft, um die Fähigkeit zu erhalten, alle Wetten, die er abschließt, zu gewinnen. Schnell entdeckt er, wie wichtig für ihn das Lachen ist. Wie wenig er mit der Brutalität von Menschen zu tun hat, die alles, was sie anfassen, in Kapital verwandeln müssen. Timm kennt, nachdem er die Praktiken des Barons – der, wenn man seinen Namen spiegelverkehrt liest, Teufel heißt – durchschaut, nur noch ein Ziel: sein Lachen wieder zurückzubekommen.

Grundgerüst mit Ausbau

Von heute aus betrachtet, kommt der Erzählfluss bei Krüss behäbig daher. In seiner Fassung für die Schauburg München entschlackt und komprimiert der Drehbuchautor Lukas März die Handlungsstränge, ohne an der Kerngeschichte etwas zu ändern. In ihrem Zugriff verschärft die Regie von Kilian Bohnensack noch das Spieltempo, wobei ihm das Bühnenbild von Ella Hölldampf hilft. Sie stellt ihm eine leuchtende Manege zur Verfügung. Darin ein hohes Halbrundgerüst, das sich nicht nur innerhalb der Manege drehen lässt, sondern ganz verschiedene Spielorte aufmacht. Ein Schiff wird durch Bullaugen angedeutet, ein Taxi durch aufleuchtende Scheinwerfer, ein Hotelzimmer dadurch, dass das Gerüst vor dem Publikum steht. Es erscheint wie eine Gefängniszelle. Eine gelungene Bildmetapher für die Situation des Timm Thaler in den Fängen des Barons.

Das Ensemble hängt im viel bespielbaren Gerüst. Alles erscheint düster und bedrohohlich. Hardy Punzel sitzt vorne und blickt beklommen ins Publikum.

Ein viel bespielbares Gerüst. Foto: Armin Smailovic

In seiner Regie geht Bohnensack noch einen Schritt weiter. Er lässt die Szenen ineinander übergehen. Es gibt keine Breaks. Neue Szenen entstehen aus dem Drehen des Gerüsts und dem Hinzutreten der Mitspieler aus dem dunklen Hintergrund zu der Musik von Nicholas von der Nahmer und Felix Nyncke. Blitzschnell sind die Figuren da, die bis auf die Ausnahmen von Timm und dem Baron auf eine Grundhaltung festgelegt sind. Sie agieren comichaft, zumal auch die Kostüme von Sophia Schneider diesen Eindruck verstärken.

Manchmal wird klischeehaft agiert, wie beispielsweise der Kapitän des Tom Gerhartz mit gewaltigem schwarzem Bart. Der Schiffssteward Kreschimir, der das Geheimnis von Timm errät und die Lösung weiß, wird von Annelie Straub kumpelhaft angelegt. Sie, wie auch Tom Gerhartz, spielt mehrere Rollen. Ebenfalls Maya Haddad u. a. als hysterische Stiefmutter und Anh Kiet Le u. a. als der Stiefbruder Erwin, der durch den Kleidertausch die Flucht aus dem Hotel in Hamburg ermöglicht.

Starke Emotionen

Bei Krüss gehört wesentlich zum Kapitalismus ein Überwachungssystem. Über Spione weiß der Baron alles, was läuft. In dieser Aufführung schlüpft Janosch Fries in diese fiese Rolle. Er agiert zunächst auf dem Rennpferdplatz als Fotoreporter und fädelt dann das Geschäft zwischen Timm und Baron ein, der am Ende auch direkt vor der Tür des Hotelzimmers Wache steht. Über sein Motiv, warum er so aasig ist, erfährt das Publikum nichts.

Dafür umso mehr über den Baron Lefuet, dem Simone Oswald starke emotionale Momente gibt. Alleine, wie sie das Lachen von Timm abnimmt, was sich da auf ihrem Gesicht abspielt beim ersten Ausprobieren von Tims Lachen, ist sehenswert. Hardy Punzel legt den Timm Thaler zunächst naiv an, was eine Voraussetzung für die Wette ist. Je mehr er in die Welt des Barons verstrickt wird, umso mehr blitzt sein „proletarischer“ Witz auf: Obschon er Grund hätte, zu verzweifeln, gibt er nicht auf und gewinnt am Ende.

Bei James Kruess wird das Erzählen selbst zum wichtigen Ort des Erinnerns und des Mahnens. Deshalb zieht bei ihm Timm Thaler am Ende mit einem Marionettentheater durch die Lande, um warnend seine Geschichte zu erzählen. Weil dieser Strang in der Münchener Aufführung gestrichen ist, fehlt ihr philosophische Tiefe. Mit ihrem Spielwitz und comichaften Momenten entwickelt sie einen hohen Spaßfaktor.