Die beiden Darsteller:innen sitzen am Rand bei den Schüler:innen. Eine schaut lächelnd in eine Papierkiste auf ihrem Schoß.

Eine Begegnung beim Eisbaden

Lena Hach, Sefa Küskü, Christian Schönfelder: Fred und ich

Theater:Junges Ensemble Stuttgart, Premiere:10.04.2026Vorlage:Fred und ichAutor(in) der Vorlage:Lena HachRegie:Sefa KüsküMusikalische Leitung:Svea Kirschmeier

Junges Ensemble Stuttgart – Regisseur Sefa Küskü adaptiert die Erzählung „Fred und ich“ von Lena Hach für die Bühne. Die mobile Inszenierung bringt Fragen um Identität, Tod und Trauma in Klassenzimmer und Schulen.

Anni geht morgens vor der Schule Eisbaden. In der Bäckerei, in der sie sich ihre Kaffeekanne füllen lässt, trifft sie auf Fred aus Berlin, der bei seiner Tante ein Praktikum macht. Sie vergisst dabei ihren Hammer, mit dem sie das Eis aufschlägt. Fred trägt ihn ihr nach. Mit der Zeit entsteht ein starkes Freundschaftsband zwischen Anni, die seit dem Unfalltod ihres Onkels von keinem Fremden mehr gefahren werden möchte, und Fred, der trans ist. In ihrer Erzählung „Fred und ich“ schildert Lena Hach sensibel die Begegnung zwischen zwei jungen Menschen, die lernen, sich in ihrem Sosein zu akzeptieren. Es ist zugleich eine Geschichte der Achtsamkeit. Beide nähern sich behutsam an, informieren sich im Internet über die Probleme des/der Anderen.

Am Jungen Ensemble Stuttgart haben Sefa Küskü und Christian Schönfelder eine Fassung für eine Aufführung im Klassenzimmer kreiert. Antonia Griesbeck (Bühne und Kostüme) benutzt zusammengeschobene (Schul-)Tische, über die sie ein großes weißes Tuch geworfen hat: ein zugefrorener See, um den herum die Handlung sich entwickelt. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Anni, die in dieser Spielfassung mit Elmira, ihrer besten Freundin, agiert. Lola Merz Robinson spielt diese Freundin mit Verve und Bassgitarre (musikalische Leitung: Svea Kirschmeier). Als Elmira übernimmt Merz Robinson zugleich die Rolle des Fred mit einer Intensität, die emotional tief geht.

Überzeugende Charakterarbeit

Adriana Ferndandez Falso arbeitet in ihrer Rolle als Anni auf überzeugende Weise heraus, was diese Begegnung mit ihr macht. Sie erschließt ihr neue Welten und lässt sie doch zugleich in ihrer jungen Welt, wenn sie und Fred sich um das Eis-Tischgerüst jagen. In seiner Regie legt Sefa Küskü sein Augenmerk auf diese Beziehung. Er führt Lola Merz Robinson und Adriana Ferndandez-Falso sensibel, lässt zwischen den beiden eine fragil-zarte Beziehung entstehen.

In der Mitte eines Klassenzimmers stehen Tische zusammengeschoben. Darauf liegt eine Decke. Die zwei Darsteller:innen laufen über diese improvisierte Bühne.

Eine DIY-Bühne aus (Schul)-Tischen. Foto: Krisztina Figge

Beispielsweise am Ende überrascht er mit genau gesetzten Regieeinfällen. Hier lässt er das Publikum, das im „Stuhlkreis“ um die „Eisfläche“ sitzt, das weiße Tuch zu einer Kuppel – im Buch der Friseursalon – anheben. Andere Stimmen wie die der Mutter von Anni werden über einen Recorder abgespielt. Eine technische Lösung, die im Klassenzimmer, in dem Aufführungen einen grundsätzlich improvisatorischen Charakter haben, funktioniert. Im Premierenraum – dem großen Unteren Foyer des Jungen Ensemble Stuttgart – wirkt es aber eher merkwürdig.

„Fred und ich“ erzählt von einer Annäherung von Menschen, die sich eine Woche lang kennenlernen. Dann muss Fred nach Berlin zurück. Dazwischen werden große Themen wie Tod oder die Frage nach der eigenen sexuellen Identität verhandelt. Anni und Fred therapieren sich in dieser Begegnung wechselseitig: Sie überwindet ihre Angst vor dem Autofahren, Fred fährt mit gestärktem Bewusstsein zurück. Eine gelungene, spannende Inszenierung für das Klassenzimmer!