So stellte sich erst Mitleid und dann doch Freude an den Sängern ein. Szabolcs Brickners Temistocle beeindruckte gleich eingangs mit der schon auf Mozarts „Clemenza di Tito“ vorausweisenden Arie „Fosca nube“. Alle übrigen Solisten klangen gut – überragt von Cornelia Ptassek als Temistocles Tochter Aspasia: ihre Klage des seelischen Elends zwischen Vater, Bruder, dem anreisenden geliebten griechischen Gesandten und den erotischen Attacken Xerxes’ geriet zum emotionalen Höhepunkt des Abends. Das war auch das Verdienst von Dirigent Reinhard Goebel mit dem Mannheimer Orchester in Originalbesetzung. Er setzte nicht nur die emotionalen Werte der Arien reizvoll voneinander ab, sondern machte auch die damals innovativen Züge in Bachs Komposition hörbar: Da leiten ein, umspielen und begleiten die Arien mal Solo-Oboe, dann Solo-Fagott und auch drei Klarinetten; die orchesterbegleiteten Rezitative besitzen dramatischen Zug; angesichts von zwei gestrichenen Finali beeindruckte nun nur das letzte mit seinem stufenweisen Einsatz der einzelnen Solisten zum dann kompletten „lieto fine“-Ensemble. Ob aber Bachs „Temistocle“ uns wirklich etwas zu sagen hat, davon teilte diese „Fassung“ nichts mit.
