Das Spiel wirkt entspannter als frühere Inszenierungen, lässt sich fast süffig genussvoll betrachten. Castorf macht sich einen Spaß aus Balzacs überdrehter Geschichte um Begehren, das großen Hass gebiert. Die aufdringlichen und rassistischen Äußerungen des Romanciers über gierige Jüdinnen oder weichliche Slawen verknüpft die Inszenierung zunehmend mit dem im Roman privat gehaltenen Hassmotiv; der häufig qualmende Schornstein (über dem Kamin) weckt in dem Umfeld kurzzeitig grölender Herrschaften Assoziationen an „völkische“ aus Hass geborene Greueltaten. Bei allem Klamauk und großer Spielfreude: aus Geschichten wird – subtil angedeutet – Geschichte; dabei wechseln dann auch die Zuordnungen der Gestalten, der Mann Marneffes wird etwa kurz zum Geliebten, und der umstrittene französische Dichter Céline gerät ins Spiel. Castorf schüttelt das Geschehen unterhaltsam und anregend durcheinander. Und scheint durch seinen Musiktheaterausflug nach Bayreuth zu einer verstärkten und subtilen Musikuntermalung von Oper über Neue Musik bis Rock animiert.
Am Ende will der unaufhaltsame Hulot – inzwischen wie die anderen Gestalten mit verzerrender Commedia-Maske eines Alten nicht mehr von der Bühne (des Lebens) abgehen. Auch Castorfs Theater gibt nicht auf – mit altersmilde-entspanntem, schelmisch-kritischem Blick.
