Am Jungen Ensemble Stuttgart haben Sefa Küskü und Christian Schönfelder eine Fassung für eine Aufführung im Klassenzimmer kreiert. Antonia Griesbeck (Bühne und Kostüme) benutzt zusammengeschobene (Schul-)Tische, über die sie ein großes weißes Tuch geworfen hat: ein zugefrorener See, um den herum die Handlung sich entwickelt. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Anni, die in dieser Spielfassung mit Elmira, ihrer besten Freundin, agiert. Lola Merz Robinson spielt diese Freundin mit Verve und Bassgitarre (musikalische Leitung: Svea Kirschmeier). Als Elmira übernimmt Merz Robinson zugleich die Rolle des Fred mit einer Intensität, die emotional tief geht.
Überzeugende Charakterarbeit
Adriana Fernandez Falso arbeitet in ihrer Rolle als Anni auf überzeugende Weise heraus, was diese Begegnung mit ihr macht. Sie erschließt ihr neue Welten und lässt sie doch zugleich in ihrer jungen Welt, wenn sie und Fred sich um das Eis-Tischgerüst jagen. In seiner Regie legt Sefa Küskü sein Augenmerk auf diese Beziehung. Er führt Lola Merz Robinson und Adriana Fernandez-Falso sensibel, lässt zwischen den beiden eine fragil-zarte Beziehung entstehen.

Eine DIY-Bühne aus (Schul)-Tischen. Foto: Krisztina Figge
Beispielsweise am Ende überrascht er mit genau gesetzten Regieeinfällen. Hier lässt er das Publikum, das im „Stuhlkreis“ um die „Eisfläche“ sitzt, das weiße Tuch zu einer Kuppel – im Buch der Friseursalon – anheben. Andere Stimmen wie die der Mutter von Anni werden über einen Recorder abgespielt. Eine technische Lösung, die im Klassenzimmer, in dem Aufführungen einen grundsätzlich improvisatorischen Charakter haben, funktioniert. Im Premierenraum – dem großen Unteren Foyer des Jungen Ensemble Stuttgart – wirkt es aber eher merkwürdig.
„Fred und ich“ erzählt von einer Annäherung von Menschen, die sich eine Woche lang kennenlernen. Dann muss Fred nach Berlin zurück. Dazwischen werden große Themen wie Tod oder die Frage nach der eigenen sexuellen Identität verhandelt. Anni und Fred therapieren sich in dieser Begegnung wechselseitig: Sie überwindet ihre Angst vor dem Autofahren, Fred fährt mit gestärktem Bewusstsein zurück. Eine gelungene, spannende Inszenierung für das Klassenzimmer!
