Wie ihre namhaften Vorgänger schwärmen auch Saidys Protagonisten von der Vergangenheit, als die Dinge noch klar und einfach waren, als man sich noch liebte. Heute dagegen herrschen Routine und Bequemlichkeit. Und doch: Die beiden umgurren einander, machen sich Komplimente, flirten gelegentlich. Sie trösten sich mit gemeinsamen Spielen und Golf versteigt sich zu einem kruden Monolog, der zwischen Demiurgenphantasie und Angst vor Entropie schwankt. Die Regie sucht immer wieder nach Möglichkeiten, die beiden Protagonisten über die Ausschnittkante hinweg zu verschalten. Kaum haben sie sich gestritten, gehen die beiden zur Versöhnung „gemeinsam“ schwimmen – Brustschwimmen und gespieltes Absaufen inklusive. Wenn Fabio später polternd und rumorend Ordnung in der Bude macht, schaut Golf ihm mit zugewandtem Kopf zu. Oder der eine umgarnt mit liebevoll klappernden Zähnen seinen Lover, indem er regelrecht sein Gebiss in die Kamera hält. Ein Moment zwischen Liebe und Ekel, dem sich auch der Zuschauer kaum entziehen kann.
Fabio und Golf steigern sich in Kolonial- und Frauenträume hinein, die die Regie von orgiastischem Stöhnen und einem eingeschalteten Fotoreigen der Protagonisten aus Hyperzivilisationstagen begleiten lässt: Supermärkte, peinliche Geburtstagsfilmchen, Waldbrände, sich schminkende Kinder. Das Stück mündet dann in das (Re-)Enactment von Mäßigungsempfehlungen, kriegerischer Auseinandersetzung und einer imaginierten Verhaftung. Die bis dahin rötlich getönten Bilder der trotz oder gerade wegen aller technischen Schwierigkeiten gelungenen Inszenierung hellen sich plötzlich völlig auf. Fabio und Golf haben die „Plätze“ getauscht und scheinen auf der Anklagebank zu sitzen. Die Kleidung der beiden ist geordnet, die Haltung gerade, der Abstand zur Kamera „wohltemperiert“. Das Kamerabild macht plötzlich zur „Realität“, was auf der Bühne eigentlich nur Einbildung zu sein scheint. Doch auch dieses Bild hat letztlich keinen Bestand, es fällt wie die Erinnerung gelegentlich aus, der Bildschirm wird mal auf der einen, dann auf der anderen Seite schwarz. Was bleibt, ist der Ton, sind letzte Worte – Fabios und Golfs last Tape.
