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Gecoachtes Elend

Georges Perec: Über die Kunst, seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten

Premiere: Theater: Metropol Theater München
Regie: Jochen Schölch   Foto: Hilda_Lobinger 
Von Wolf-Dieter Peter am 24.03.2014

„Coach“ ist kein geschützter Beruf – und so sprießt die Berater-, Betreuer-, Hilfestellungs-Branche derzeit im Wildwuchs. Erstaunlicherweise hat Georges Perec (1936 – 1982) schon in den späten 60er Jahren die Anfänge dazu entdeckt. Im Münchner Metropoltheater sitzt das Publikum im „Anbau“, der Alternativ-Spielstätte, vor der Tafel auf dem kleinen Podium und hofft auf Entscheidendes „Über die Kunst, seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten“. Dann klacken laut und selbstbewusst High-Heels auf den Fliesen und im hochgeschlossenen tintenblauen Kleid kommt die Referentin gegangen. Entschlossen bekundet sie das Vorhaben, uns den Weg zur ersehnten und längst fälligen Gehaltserhöhung zu zeigen. Sie dreht die Tafel und beginnt uns die realen, emotionalen und seelischen Hemmnisse auf diesem Weg zu benennen, grafisch mit Abteilungsleiter „X“, Vorzimmerherrscherin „Y“ und Direktor „Z“ sowie den zeitüberbrückenden Warteschleifen durch die anderen Abteilungen mit Kreide zu verdeutlichen.

Diese Abteilungen werden durch große Nullen symbolisiert… und die „Null“ wird allmählich, in erst wiederkehrenden und dann zunehmend entlarvenden Worthülsen ein Thema: von „entlohnen“, „beschäftigen“, „ausnutzen“ bis „ausbeuten“ wandelt sich der Redefluss über die vielfachen Anläufe, ihr Scheitern und ein zwanghaft frohgemutes Abermals. Coach Ulrike Arnold beginnt mit optimistisch gespanntem Gesichtsausdruck. Der entgleist immer wieder einmal, dann wird das positive Lächeln zur Grimasse – und bald ist deutlich, dass sich hinter allem das heulende Elend verbirgt: sie selber scheint es x-mal versucht zu haben, ist gescheitert und spricht letztlich durch uns hindurch auch sich selber einen verzweifelten „Dennoch-Mut“ zu. Das gelingt in Jochen Schölchs nuanciert gearbeiteter Personenregie erschreckend amüsant: das Zerbrechen der Kreide, die fahrigen Hände, die Kreide-Spuren auf dem dunklen Kleid, das x-fache Stolpern über das Fußgestell der Tafel, die hektischen Ergänzungen im eher konfus entlarvenden Tafelbild, die erhöhte Stimmlage und die wässrigen Augen – eine Coacherin im Hamsterrad des „Dennoch-Weiter“, die auch Scheitern als Erfolg schönredet.

Für diesen mitunter eher „Abwehr-Lachen“ provozierenden Monolog erntete Ulrike Arnold nach einer Stunde zu Recht Bravo-Rufe und lang anhaltenden Beifall: gespenstisch aktuelle, ans Absurde grenzende Realität wurde da theatralisch komprimiert – zur inhumanen Kenntlichkeit.

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