Jana Schulz spielt auf einer kleinen weißen, mehligen Fläche im schwarzen Raum von Beginn an eine zugleich konzentrierte wie verirrte Person. Der Stuhl dient ihr nicht zum Ausruhen, sondern wird zum Objekt ihrer Aggressionen und zum Instrument ihres warren Aktionismus: Er dient als Schwert, wie ihn Lessings Philotas gegen sich selbst richtet. Der ganz auf sich selbst fixierte, pathologische junge Mensch vermischt sich bei Schulz zuweilen mit Lessings Figur, findet in dessen klarer Sprache sogar zeitweise Halt. Vontobel blendet jedoch auch das Außen ein. Mit Livebildern der Figur von hinten, die auf eine Leinwand projiziert werden, oder mit muslimisch konnotierter Musik oder sehnsuchtsvollem Country-Sound. Zum einen suchen Vontobel und Schulz nach den psychischen Ursachen männlicher Gewalt und Selbstverstümmelung: Hier ist Jana Schulz eine grandiose, hemmungslose und ganz uneitle Darstellerin. Zum anderen bringen sie klug von Lessing kritisierten Radikalismus mit islamistischem Terror und mit amerikanischen Träumen bzw. George Bushs radikalem Kampf gegen den Terror in Verbindung. Der Klassiker dient zur Bereicherung eines Gegenwartsdramas – und beschert uns zum Jahresbeginn ein vielfältiges, beeindruckendes und anregendes Solostück, das weit über eine Figur hinausweist.
