Dazu steuerte Dirigent Philippe Jordan mit fast allen zarten Nuancen einen eher lyrisch-impressionistischen Klangteppich bei: so viel beeindruckendes Piano war „nie“, der Debütant im verdeckten Orchestergraben sollte nur in den kommenden Aufführungen die dramatischen Gipfel höher türmen, wohin ihm die in vielfältigen „Gesellschafts-Rollen“ geforderten Chöre (Einstudierung: Eberhard Friedrich) sicher folgen können. Die seit der Premiere mitwirkenden Solisten bestachen mit noch klarer konturierten Nebenrollen-Porträts. Thomas Jesatkos Klingsor, der als Transvestit seine Entmannung überspielt, und Detlef Roth als Schmerzensmann Amfortas, dessen Opfer durchweg vergebens bleibt, beeindruckten als „singende Schauspieler“. Das gelang auch der neuen Kundry Susan Maclean, deren expressives Spiel ihre Vorgängerinnen übertraf, während Artikulation und dramatische Höhe wohl nach der Premieren-Anspannung verbesserungsfähig sind. Burkhard Fritz, der neue Parsifal, beeindruckte mit Bühnenpräsenz, legte den „reinen Toren“ aber oft etwas zu sonnig an. Zu Recht gefeiert wurde Bass Kwangchul Youn, dessen Textbehandlung, Piano-Kultur und Fortissimo-Ausbrüche als Gurnemanz derzeit wohl nicht zu übertreffen sind. Ein Theater-Schmerz, von all dem Abschied zu nehmen!
Trost und dringender Hinweis: unter www.wagner-im-kino.de sind die Kinos zu finden, die neben dem TV-Sender „arte“ am 11.August ab 16 Uhr diese singuläre „Parsifal“-Deutung live vom Grünen Hügel übertragen. Schön, dass später eine DVD diesen Interpretationsmarkstein festhält – doch das Live-Erlebnis bleibt unschlagbar!
