Diese Unentschiedenheit und Unsicherheit zwischen Ernstnehmen und Veralbern macht Pachls Inszenierung über weite Strecken ärgerlich. Aber zu dieser Indifferenz trägt auch die Musik E.T.A. Hoffmanns, der sich selbst wohl eher als Komponist denn als Dichter sah, bei. Denn er hat keine Oper durchkomponiert, sondern eine Ouvertüre und 18 weitere Musiknummern geschrieben. Zur Ouvertüre wird auf der Bühne stumm agiert, dann über weite Strecken gesprochen, besser deklamiert, währenddessen hat die Musik Pause oder darf nur kleine Akzente setzen. Hat die Musik den Hauptpart, herrscht auf der Bühne Stillstand, die Sängerdarsteller müssen ständig zwischen Singen und Deklamieren wechseln. So haben die überzeugend singenden Uwe Stickert (Narmarand), Marisca Mulder (Mirza) und Julia Neumann (Mandane) kaum eine Chance, wirkliche Charaktere zu entwickeln – zu einer Musik, die schon sehr nach Mozart, vor allem nach der „Zauberflöte“, klingt.
Und am Ende, wenn Narmarand erlebt hat, dass alle außer ihm altern (Haremsdamen mit Rollatoren) und der Enkel das Schachs ihn ins Gefängnis stecken will (das er aus Gehhilfen nachbaut), löst das mit Kalender-Weisheiten gespickte Libretto alles als Traum auf. Regisseur Pachl lässt trotzdem seine Mini-Rahmenhandlung zu Ende spielen, die eines heutigen Mannes, der in einen „Club of Persia“ gerät und den „Trank der Unsterblichkeit“ quasi als Bühnenshow erlebt hat. Nach zweieinhalb Stunden viel Beifall und kräftige Buhs für Pachl.
