Die Geschichte ist selbst in der von Herheim aufgemöbelten Fassung, die, von einigen italienischen Arien-Ausnahmen abgesehen, vorrangig in munterem Rezitativ-Deutsch mit berlinernden Einsprengseln daher kommt, eher barocke Unterhaltungsmeterware. Da wandeln zwei Brüder und zwei Schwestern auf Freiersfüßen und umeinander herum. Mit einer gehörigen Portion Intrige und Missverständnissen finden sich am Ende die Richtigen, wobei der jeweils aktuelle Stand der Liebesdinge nie so ganz klar ist. Um dieses locker gewebte Verwirrspiel auf die Opernbühne zu hieven, musste der eine Bruder wohl Xerxes heißen und damit das restliche Personal entsprechend mit adeln.
Für Herheim ist das die Vorlage, um die Theaterpuppen tanzen zu lassen und ein Theater auf dem Theater zu entfesseln. Das schnurrt dann ziemlich flott, frivol und perfekt ab. Die opulenten Kostüme (als Kontrastprogramm zur mainstream-second-hand-Bühnenmode) verweisen in die Entstehungszeit 1738. Und das barocke Drehbühnentheater mit Vorhang, Prospekten und bröckelndem Fachwerk-Backstage für die Künstler auf den Ort der Uraufführung in Händels Londoner Theaterunternehmen. Hier läuft die Geschichte, komödiengeschmiert, als eine flotte Mischung aus Künstlerintrige und dem gemeinsam geprobten Theaterstück ab. Wobei man nie genau weiß, auf welcher Ebene gerade gebalzt, geschmachtet oder intrigiert wird.
Damit liefert Herheim zwar keine neue, nicht mal eine originelle Sicht auf Händels Dauerbrenner, dafür aber eine Art Meta-Inszenierung, die alle Möglichkeiten der vom heiligen Ernst der Andacht befreiten Regie vorführt, mit der man Da Capo Arien bewältigt, ohne dass jemand entschlummert. Und mit der man demonstriert, dass die Barockmusik in ihren furiosen Momenten tatsächlich unmittelbar in die Glieder zu fahren vermag und der Kalauer, dass Barock rockt, eben mehr als ein Fünkchen Wahrheit beinhaltet. Das ist unterhaltend und resümiert einen großen Teil dessen, was seit Peter Konwitschnys szenischer Händelentstaubung in den achtziger Jahren in Halle so passiert ist.
Musikalisch ist das leicht nachgerüstete Orchester der Komischen Oper unter Leitung seines treuen Spezialgastes fürs Vorklassische, Konrad Junghänel, in wohltuender Nähe zum Standard der historisch informierten Spielweise und mit offenkundiger Freude bei der Sache. Im darstellerisch wie stimmlich überzeugenden Ensemble ist Stella Doufexis der Xerxes, Brigitte Geller die begehrte Romilda und Julia Geibel deren herrlich intrigante Schwester Atalanta, macht Hagen Matzeit mit seinen beiden Stimmlangen aus dem Elviro eine berlinernde Ulknudel. Der geschmeidige Mezzoklang von Katarina Bradics Amastris würde zudem jedes Händel-Festival adeln.
