Am Theater geht es um Sichtbarkeit. Wer wird gesehen, wer wird gehört, und wer entscheidet darüber? Unsere neue Ausgabe zieht Bilanz einer Spielzeit, in der diese Frage drängender geworden ist. 61 Kritiker:innen haben abgestimmt und in neun Kategorien rund 500 Voten abgegeben. Daraus entsteht kein objektives Ranking, wohl aber ein vielstimmiges Bild der Saison 2025/26.
Der Schwerpunkt zeigt, welche Häuser, Inszenierungen und Künstler:innen im vergangenen Jahr überzeugt haben. Vorn liegen die Münchner Kammerspiele – ausgerechnet jenes Haus, dessen Intendantin Barbara Mundel kurz nach Redaktionsschluss der Umfrage die Vertragsverlängerung verwehrt wurde. Daneben stehen die Opernuraufführung „Rummelplatz“ in Chemnitz, ein starkes Junges Theater und die Erregungsmomente einer Spielzeit zwischen Sparzwang, Sanierungsstau und Kulturpolitik.
Auf dem Titel porträtieren wir Calle Fuhr, der Journalismus und Bühne verbindet und seit dieser Saison zum Leitungsteam am Schauspiel Köln gehört. Weitere Themen sind die neue Werkstatistik mit erstmals möglichem Zehnjahresvergleich, die Theaterszene in Harlem, Neustarts in Hannover und Vorpommern, das Ende der Intendanz Holger Schultzes in Heidelberg sowie zwei Häuser, die Stephen Kings „The Shining“ als Oper wagen.