Das Junge Theater steht oft im Schatten der großen Sparten. Dabei ist gerade das Theater für junges Publikum ein Vorreiter in vielen Bereichen: Nah am Publikum, offen für neue Formen, geübt in Beteiligung und wach für die Fragen der Gegenwart. Unsere neue Ausgabe fragt, warum Kinder- und Jugendtheater trotz knapper Mittel und schwacher Lobby zu den wichtigsten Laboren des Gegenwartstheaters gehört.
Im Schwerpunkt porträtieren wir den Autor und Regisseur Sergej Gößner, blicken auf spartenübergreifende Formate, statistische Entwicklungen, partizipative Projekte und strukturelle Defizite. Außerdem sprechen Katrin Maiwald von der ASSITEJ und Christina Schulz vom Theater an der Parkaue über Chancen und Baustellen einer Sparte, die weit mehr ist als Theater für das Publikum von morgen.
Weitere Themen im Heft sind Milo Raus „Prozess gegen Deutschland“ am Thalia Theater Hamburg, Neustarts in Bamberg, Hannover, Weimar und Essen, das Theatersystem China, existenzielle Opern-Uraufführungen in Bonn und Leipzig sowie aktuelle Debatten über Kunstfreiheit, Gewalt auf der Bühne und toxische Geschlechterbilder.
Editorial
Wie lebendig ist das Theater heute, wie veränderlich? Als ich 2011 bei der DEUTSCHEN BÜHNE als freier Mitarbeiter anfing, gab es nur die Abteilungen Schauspiel, Musiktheater, Tanz. Seit 2018 bin ich Redakteur für Musiktheater und Schauspiel – und inzwischen auch für Musical, Puppenspiel und Zirkus. Ein großes Thema ist zudem das Kinder- und Jugendtheater geworden, sozusagen ein „fragiles Vorbild“ für das Erwachsenentheater. So nannten wir lange den Schwerpunkt dieses Heftes, in dem wir die großen Stärken – meinungsstark, grenzenlos und nah beim Publikum – und Bedrohungen für das Junge Theater beschreiben.
Die Vielfalt der Theaterwelt bilden wir auch in unseren Sonderheften ab. Deswegen hat meine Kollegin Martina Jacobi dieses Jahr die dritte QUEERE BÜHNE konzipiert, Detlev Baur ein Heft über Theaterstatistik auf den Weg gebracht – und deswegen publizieren wir Hefte zu spezifischen Themen wie „Wagner-Kosmos“ an der Oper Dortmund und zur Schauburg in München als herausragendem Kinder- und Jugendtheater. Vielfalt findet sich darüber hinaus in unserem jährlich erscheinenden Festivalheft.
Das Ziel der DEUTSCHEN BÜHNE ist es also, die Veränderungen im theatralen Leben möglichst umfassend abzubilden. Und wenn wir ein Heft haben wie das vorliegende, freuen wir uns, mitten hineingestochen zu haben in das sich so unermüdlich wandelnde Theaterleben mit seinen zahlreichen Sparten.
Andreas Falentin, Redakteur DIE DEUTSCHE BÜHNE
