Weniger aktivistisch als Thomas Köck, ein anderer zeitgenössischer Autor aus Österreich, der mit großen poetischen Bildern, aber politisch konkreter die Krise der Menschheit beschreibt, vermengt Gudarzi in „Wonderwomb“ sehr gewagt – und faszinierend – große Themen wie Energiekrise, Fremdenfeindlichkeit bis hin zur Pandemie miteinander. Durch seine persönliche Perspektive entsteht da ein wirklich kosmopolitisches Theater, das jedoch leicht ins Unverbindliche abrutschen kann.
Chorische Kraft
Auf der von Plastiklappen umhängten Bühne (Carolin Mittler) agieren drei Erzähler*innen in goldglitzernden Anzügen (Kostüme: Agathe Mac Queen). Voll wird es dann auf der Bühne, wenn noch der Chor der Un-Toten, „Eine Einheit, Öl genannt“, dazu stößt (Saskia Boden-Dilling, Eike Mathis Hackmann, Anna Rausch, Silvia Schwinger und Mia Wiederstein) und schließlich die Gruppe der immer wieder auftauchenden Gestalten – „Protagonisten“ trifft ihre Rollen eher nicht –, anfangs als Superheld:innen (Lisa Grosche, Fanny Holzer, Ben Knop, Ulrike Walther und Konstatin Marsch, der kurzfristig für Sven Brormann einsprang). Bis die Spielebenen und Figuren angerissen sind, dauert es; die Gruppe der Öl-Wesen etwa wirkt vor allem chorisch einstudiert, verkörpert aber noch wenig eine spannungsreiche Gruppe.
Mit zunehmender Spieldauer der zweistündigen Inszenierung finden der schwer zu bändigende, schnell die Ebenen wechselnde Text und die Choreografie der 13 Akteur:innen im Raum immer besser zueinander. Eva Langes Regie setzt ganz auf die sprachliche und chorische Kraft der Darsteller:innen und setzt filmische Bilder oder akustische Elemente (Musik: Kathrin Vellrath) eher sparsam ein. Die irre Verschachtelung von Szenen um die (von der Tochter in Deutschland per Skype verfolgte) Operation einer Frau im Irak mittels High-Tech-Bohrer, die Erschließung eines neuen Ölfelds in Tadschikistan durch eine kilometerweit in die Erde reichende Bohrmaschine sowie die minutiös geplante Ermordung eines iranischen Generals per Drohne aus den USA bringt bei aller „zeitlosen Zeit“ im Stück auch konkretere Geschichten und Zeitabläufe, ja Schicksale in diese überbordende szenische Überforderung. Wie das Ensemble im chorischen Sprechen zusammenwächst ist beeindruckend. Aus dem ambitionierten Kunstwerk wird schließlich ein packendes Welttheater.
