Doch da schien schon einiges drin zu sein: Warf Knoche eine Mandarine rein, kam auf der anderen Seite eine Banane raus, später ein Getränkepäckchen, das so geräuschvoll wie in einem Brunnenschacht geleert wurde. Und während Knoche noch mimisch fragte, wer denn da mit Sachen schmeißt, war längst klar, dass es nicht das Zelt sein konnte. So reihten die beiden Figurenspielerinnen Detail an Assoziation, Bewegung an Gedanken und mehr und mehr wurde „Und Davor“ auch zum (teils übersteuerten) Geräuschtheater. Natürlich bedeutet die verdienstvolle Reihe „Expeditionen ins junge Figurentheater“ Experimente, Erproben neuer Wege, ungewöhnliche Erzählhaltungen, Grenzgänge. „Und Davor“ sitzend, brauchten aber schon „große“ Zuschauer Geduld, denn Knoche und Tränkler spielten keine nachvollziehbare Geschichte, die „Weißt du noch?“-raunenden Off-Stimmen wiesen womöglich in Richtung von Erinnerungen, aber sicher war auch das nicht. Ob da Publikum 4+ vor dem Bildschirm 50 Minuten (20 länger als geplant) durchgehalten hat? Dazu kamen noch Ungereimtheiten der Kameraführung (Gala Goebel + streamio): etliche, nicht immer stimmige Schnitte, wacklige Zooms.
Gerda Knoche und Britta Tränkler holten noch ein „Born to be wild“-spielendes Radio hervor (natürlich mit „Luftgitarre“), nahmen ein Sonnenbad, ließen sich von einer Turbine fast umpusten, mit einem umständlichen Stecker-rein-raus-Spiel machten sich die Objekte selbständig. Dann hob es auf Grundsätzliches ab – das Zelt wurde zum Lebewesen, dessen Lebensräume schrumpfen, aber die seit der Steinzeit verwendeten Planen sind nun Gottseidank verboten. Das war dann wirklich eine Schüppe zu viel. Am Ende gab es für die Spielerinnen und ihr Team Off-Beifall, im Chat dagegen die Frage: Wie applaudiert man eigentlich online?
