Der Schauspieler Thomas Prazak gibt den kleinbürgerlichen Ministerialangestellten Propristschin, dessen Zwangsneurosen das komplette Bühnenbild prägen: seine Hose, das Hemd, Schuhe und Aktentasche, ja sogar Zeitungsstapel sind akkurat auf dem Boden verteilt und mit weißem Tape in quadratischen Felder sortiert. Anziehen, zur Arbeit gehen, die Bleistifte des Staatssekretärs anspitzen, heimgehen, ausziehen. Da muss man ja wahnsinnig werden ob der eigenen Bedeutungslosigkeit! Propristschin ist sich seiner Einsamkeit bewusst, das macht es nicht leichter. Während er vom stumpfen Arbeitsalltag mit mobbenden Kollegen berichtet, von der unerfüllten Liebe zur Tochter des Staatssekretärs, wuselt er durchs Zimmer, reißt gelbe Klebezettel von den Wänden, zitiert Weisheiten von Feuerbach bis Lessing aus diversen Abrisskalendern. Zieht sich an, geht arbeiten, zieht sich aus. Immer mehr steigert sich die Beamtenseele in paranoide Vorstellungen, belauscht Gespräche von Hunden, hält sich schließlich für die Inkarnation des Königs von Spanien. Bei der Einweisung in die Geschlossene schließlich verschwimmen Propristschins Bilder von Folter, höhnenden Kollegen und Machtfantasien… Erlösung im Wahn?
André Bücker nutzt die virtuellen Möglichkeiten geschickt, verbildlicht die Paranoia der Hauptfigur mit gedoppelten Hologrammen, dessen wahnhaftes Kopfkino mit schwarzen Zeichnungen an Wänden und Decken, die plötzlich auftauchen und wieder verschwinden. „Fassung, schweig still…“ versucht sich Propristschin immer wieder selbst zu regulieren, bemitleidenswert schutzlos in seiner weißen Feinrippunterwäsche. „Ich kann nicht mehr, mein Kopf platzt, bringt mich raus aus dieser Welt.“ Was Isolation mit dem sozialen Wesen Mensch machen kann, war in diesen Wochen mehr denn je spürbar. Wie Theater auch im virtuellen Raum berühren kann, hat diese Produktion eindrücklich bewiesen.
