All diese Fernsehelemente sind in „Die Show“ großartig kopiert, vorneweg von der holländisch-säuselnden Assistentin Ulla (Julia Schubert, die andererseits auch Lotz’ Freundin Candy spielt). Doch tauchen diese wie Lotz selbst nur im sehr knappen Finale auf der Bühne auf. So spielfreudig das Ensemble ist, so wenig Raum erhält es, die Figuren über Klischees hinaus auszugestalten, auch wenn die verlogene Gefühlsduselei aus Holland und die Plattitüdien des eitlen Moderators nicht ungebrochen zur Wirkung kommen.
Die pausenlosen drei Stunden zeigen immer wieder in den eingespielten Filmschnipseln Prüfungen vom ersten bis vorletzten Tag, es folgen Live-Schaltungen mit desorientierten und gnadenlosen Reportern (Carlos Lobo, Merle Wasmuth). Die Inszenierung eignet sich virtuos die TV-Dramaturgie an, wie wir sie aus heutigen Sendungen kennen; doch die Figuren kommen so jenseits der sehr überzeugend verdichteten Klischees in den Filmchen kaum auf der Bühne vor. Der Abend imitiert nicht nur die Dranbleib- und Vertröst-Ästhetik des Privatfernsehens, sondern leidet gleichzeitig in seiner Dramaturgie darunter. Gleichzeitig attackiert er deutschtümelnde Unterhaltungseinheit – und dichtet der Mutter des Kandidaten (Uwe Schmieder) eine abstruse DDR-Ringer-Vergangenheit mit Doping und Republikflucht an. Hinzu kommen noch – neben den wohl unvermeidlichen, auch tagesaktuellen Borussia Dortmund-Verweisen – Anspielungen auf die drängende Flüchtlingsproblematik. Ob die Flucht des beschränkten und geldgierigen TV-Kandidaten aber Relevantes über den Umgang mit Flüchtlingen in diesem Land erzählen kann, ist doch fraglich.
Die „Die Show“ am Schauspiel Dortmund bleibt letztlich eher eine sehr gut gemachte, dabei aber auch etwas zähe Parodie (voll skurriler Showeinlagen). Vom gebrochenen Unglück der Fernsehgestalten ereicht bei all den in sich auch gelungenen, aber auch redundanten Filmeinspielungen (Voxi Bärenklau) wenig das Schauspielpublikum. Ein guter, aufwändiger Showabend also, eher Parodie als packende Zuspitzung, der es sich etwas einfach macht und ob der zahlreichen Filmformate kaum Zeit nimmt für ein Ausspielen im Schauspielhaus.
