Foto: Vincent Furrer als Jakub in „Spaceman“ am Theater Ulm. © Konrad Festerer
Text:Manfred Jahnke, am 19. September 2026
Am Theater Ulm inszeniert Greta Călinescu „Spaceman“. Basierend auf dem Roman „Spaceman of Bohemia“ von Jaroslav Kalfař entfaltet sich auf der Bühne ein Spiel um Liebe, Einsamkeit und Schuldgefühle.
Im April 2018 startet das erste tschechische Raumschiff – JanHus 1 – in den Weltraum, um interstellare Staubpartikel der Chopra, einer seltsamen Wolke in der Nähe der Venus, einzuholen und zu analysieren. In „Spaceman of Bohemia“, 2017 erschienen und 2024 verfilmt, erzählt Jaroslav Kalfař die Geschichte des Astronauten Jakub Procházka. Monate verbringt er allein im Raumschiff.
Mittlerweile hat sich seine Ehefrau Lenka, die er liebt, von ihm abgewandt, obwohl sie ihn auch liebt. Eines Tages erscheint ein achtbeiniges, spinnenhaftes Wesen. Diesem erzählt Jakub von seiner Liebe und von seinen Schuldgefühlen als Sohn eines Spitzels des einstigen kommunistischen Systems. Über allen Problemen steht jedoch die Beziehung zu Lenka: „Wir sind Liebende.“
Scheiternde Liebe
In ihrer Bearbeitung für das Podium des Theaters Ulm konzentrieren Greta Călinescu und Peter Krauch die Handlung auf das Beziehungsgeflecht zwischen Jakub und Lenka. Weggefallen ist die aberwitzige Rettung durch ein russisches Phantomraumschiff und vor allen Dingen seine Schuldgefühle, die sich in der Figur des Schuhmann kristallisieren: ein Opfer des Vaters, der sich an Jakub und seinen Großeltern rächt. Jakub will gerade aus diesen Gründen zum Helden der Nation werden – und deshalb muss seine Liebe für Lenka scheitern: Er denkt nur an seine Reputation.
Für das Podium der Studiobühne des Theaters Ulm hat Maike Häber eine Bühne geschaffen, in der sich das Publikum gegenübersitzt. In der Fläche dazwischen beherrschen Gittergerüste und glitzernde Röhren die Szene. Rechts steht eine Kabine, in der ein Raumanzug ausgestellt wird (er wird nur wenig getragen). Links gibt es ein Gerüst, in dem eine Hängematte zum Liegen einlädt. Dazu gibt es Schnüre, an denen sich Vincent Furrer als Jakub einhängen kann, um durch den Raum zu schweben, um im nächsten Moment sich ganz irdisch auf den Beinen durch den Raum zu bewegen.
Für Interpretationen offen
So, wie die Bewegung im Raum inkonsequent bleibt, bleibt auch die Inszenierung der neuen Intendantin Greta Călinescu vieldeutig. Viel stärker als das Spiel von Vincent Furrer, der im Spiel zu den beiden Tribünen für eine Seite schwer verständlich bleibt, wirken die Szenen im Video. Markus Hottgenroth als der Techniker am Boden wirkt da sehr souverän. Adele Schlichter als Lenka und Gunther Nickles als Psychiater – im Video als pinke Negative verzerrt – wirken viel präsenter als Furrer auf der Bühne.

Vincent Furrer kniet im Raumschiff. Foto: Konrad Fersterer
Călinescu interessiert der Umgang mit neuen Medien. Das Institut für Medieninformatik an der Universität Ulm lädt mit seinen AR (Augmented Reality)-Brillen das Publikum ein, der Spinne zuzuschauen, ganz freiwillig. Dieses fiktive Alter Ego des Jakub sieht ganz lieb aus, wenn es da scheinbar an der Decke des Podiums herumkrabbelt, während das Publikum, das nicht an den AR-Brillen sitzt, einer monotonen Mikrostimme zuhört.
Leider überzeugt der Abend nicht. Da war ein Tag vorher, der offizielle Beginn der Spielzeit unter der neuen Intendanz, spannender. Dabei trieb Sebastian Schug sein sechsköpfiges Ensemble wild in die Spielhalle des Ardenner Waldes, wie ihn Shakespeare in „Wie es Euch gefällt“ geschaffen hat. Da spielt das Ensemble entfesselt wie Kinder. Zwar reicht das nicht an die Inszenierungen von Jürgen Gosch heran, aber da war eine klare Message vorgegeben.