Die Koreanerin Yona Kim ist eine Regisseurin, die gern den Ambivalenzen und Komplikationen nachspürt, die unter der Oberfläche schlichter Handlungsabläufe lauern. Beim „Maskenball“ sucht sie in einer sehr ausgefeilten, allerdings nicht immer bedeutungsklaren Personenführung nach den Tiefenschichten der Charaktere und Personenbeziehungen. Dazu hat ihr Nora Lau eine klare, dunkle, nur mit den nötigsten Versatzstücken ausgestattete Gassenbühne gebaut, Hugo Holger Schneider hat den Chargen am gräflichen Hof einen cool historisierenden Kunststoff-Chic verordnet: eine Kunstwelt, die die Figuren gleichsam ausstellt. Den Grafen Riccardo zeigt Yona Kim als Spielertypen, der den Kitzel der Gefahr und der Erotik sucht, und den die große Liebe unvermutet um seinen Leichtsinn bringt. Um dieses Motiv zu verstärken, macht sie Ulrica zu seiner Komplizin, die als Wahrsagerin den gesamten Hofstaat im Sinne Riccardos manipuliert; und aus dem Pagen Oscar wird seine hochattraktive Gespielin. Die ganze Mordintrige missversteht dieser Graf als letzten Kick, den er mit links handeln zu können glaubt.
Eine ganze Weile ist es durchaus spannend zu beobachten, wie Yona Kim die sich aus diesem Ansatz ergebenden Neudeutungen der Personenbeziehungen entwickelt. Aber wohin das alles letztlich zielen soll, bleibt im Dunkeln. Man sieht eine teils interessante, teils konventionelle, insgesamt etwas nichtssagende Inszenierung, die die politische Dimension der Handlung völlig außer Acht und der Musik viel Raum lässt. Diesen Raum füllt die Musik voll und ganz.
Weitere Termine:
29./31. Januar, 18. Februar, 6./23.März, 4./20./24. April, 13./31. März, 9.Juni, 19. Juli.
