Dass Wagners Musik sich trefflich als Film-Soundtrack eignet, ist hinlänglich erprobt, am sinnfälligsten natürlich in Verfilmungen von Originalen wie etwa „Rheingold“. Von einem Opernabend, so rechtfertigt Voges sein Konzept, bleiben die Bilder. Über die Zuschauer bricht eine Bilderflut mit der Wucht eines Tsunamis herein, gegen die Christoph Schlingensiefs Bayreuther „Parsifal“-Installation eine respektvoll zarte Annäherung an den Meister ist. Laszives Knutschen von Venus (grandios: Hermine May) und Tannhäuser als dornengekrönter Christus im Unterhemd in Großaufnahme. Später die beiden als trautes Paar: Er lümmelt mit Bierdose und TV-Fernbedienung im Sessel, während sie backt. Wir dürfen erste Ultraschallfotos vom Nachwuchs sehen, dann das goldige Knäblein im Bettchen bewundern, schließlich die Grablege mit den Eltern unterm Regenschirm verfolgen.
Elisabeth (Christiane Kohl) ist aufgebrezelt zwischen sternflammender Königin der Nacht und Jungfrau Maria im tief dekolletierten, spitzenbesetzten roten Dessous – hier im unschuldsvollen Porträt auf die Leinwand projiziert, dort gleichzeitig in ähnlicher Pose als animierter Videoclip, mittendrin singend mit glockenreinem, schlafwandlerisch sicherem Sopran, als wäre sie Pamina. Daniel Brenna in der Titelpartie dagegen, Wagner-erprobt wie Kohl, besitzt einen idealen, leicht metallisch getönten Heldentenor und kämpfte am Premierenabend erfolgreich gegen eine offenbar tiefsitzende Heiserkeit. Als Darsteller – bis zum Rad schlagenden Minnesänger – ließ er sich nichts entgehen. Freilich: in den Turbulenzen ging (nicht nur) sein vielfaches „Erbarm dich mein!“ unter. Seine eindrucksvolle Rom-Erzählung wurde ausnahmsweise nicht von Aktionismen übertüncht. Am schlimmsten traf das „Lied an den Abendstern“ des überragenden Gerardo Garciacano als Wolfram: da starrte man gebannt auf die Großaufnahmen von Elisabeth, die sich in der Badewanne ertränkt.
Die Dortmunder Philharmoniker und Chöre musizierten diese Dresdner Fassung an diesem Abend klangschön unter der Leitung des neuen GMD Gabriel Feltz, der hoffentlich mit dem Orchester noch viel differenzierteren Ausdruck erarbeiten wird.
