Zwar geraten die Versager um Dagnys Bruder James (Niklas Kohrt) durchgehend als Karrikaturen. Seán McDonagh schafft immerhin einen diabolischen Playboy und Kreativitäts-Aussteiger Francisco D’Anconia. Doch Melanie Kretschmann als Dagny Taggart, Jörg Ratjen als Stahlgenie Hank Rearden oder Guido Lambrecht als Streikführer John Galt transportieren nicht viel mehr als Bühnenpräsenz. Erst ganz am Ende distanzieren sich die Darsteller ironisch von den Gestalten. Für eine Anregung zum Nachdenken oder zur Auseinandersetzung mit Ayn Rand ist das allerdings etwas wenig Menschendarstellung. Eisenbahnschienen, ein IFA-Lastwagen oder eine wundervolle Halbkugel aus Plastikfolie mit einem Bergpanoramabild für das Paradies der weltflüchtigen Macher (Bühne: Simeon Meier) schaffen starke Bilder. Für die Darsteller stellt die mehrjährige Übergangsspielstätte in ihrer Weite und akustischen Beschränktheit allerdings eine große Herausforderung dar. Da ist noch viel Arbeit und Kreativität gefragt beim Schauspiel Köln.
