Heraus kommen merkwürdig ungleichzeitige, quasi ineinandergeschobene Tableaux Vivants mit faszinierend vielfältigen Mikrostrukturen. Da ist einer immer noch Baum. Während sich alle anderen schon in die Kriegstravestie begeben haben, sucht er immer noch in fröhlicher Verlorenheit Plätze auf, an denen er seine Holzpflanze gleichsam verschnaufen lässt. Man sieht ihm so gerne zu wie dem Milchmädchen, das seine Lust am Köpfen per Beil entdeckt hat, oder dem Tod, der die Hände hebt, weil er von einer Möchtegern-Waffe bedroht wird.
Dafür, dass das wunderbar in diesen besonderen Raum passende Spektakel nie niedlich oder augenzwinkernd nett wird, sorgt Tarek Atoui. Der libanesisch-französische Elektro-Musiker hat eine computergesteuerte Klangerzeugungsinstallation gebaut und Soundfragmente kreiert, die er improvisatorisch in die Performance wirft. Grundton ist eine gewaltige Eruption, Klang und Krach in einem, eine Urgewalt, in der Welten untergehen und entstehen, ein riesenstarkes Fundament für den Abend. Atoui ist stets auf der Bühne präsent, lässt seine Hände fast magisch tanzen, spielt sich aber nie in den Vordergrund, reagiert auf die Bühnenaktion wie diese auf ihn. Und er baut Inseln der Stille in diesen Theaterabend hinein, in denen die Performance gleichsam zu sich kommen, mit der Halle verschmelzen kann. So endet der rüde, krude, brillante Abend ganz still. Die Wellenschaukler legen nach und nach die Wellen weg, gehen an den Rand und sehen der letzten Aufrechten beim Wellenschaukeln zu. Wenn sie geht, geht auch das Licht aus.
Wild, eckig und fordernd ist „The Last Adventures“, ohne Theatertricks, ohne vordergründige Poesie, ohne kleine Wärme, ohne Narration und ohne Zusammenhänge. Die muss der Zuschauer selbst herstellen. „Die beste Art eine Geschichte zu erzählen, ist diese den Zuhörer erzählen zu lassen“, sagt Peter Handke, so Tim Etchells. Abenteuer halt.
