In ihrem Zentrum hat Elektra aus der Karosserie des Vater-Autos eine mit Kerzen und Blumen geschmückte Trauerkapelle gemacht. Diese deformierte Lebenswelt steigerten Lichtmeister Karl Kornberger und Regisseur Schmiedleitner dann durch Lichtwechsel und die surrealen Auftritte eines Bewegungschores: Rachegeister mit Beilen, Staffage von Sex-Parties, blutüberströmte nackte Menschenopfer mit Tierköpfen – sichtbarer Horror einer in Psychosen, Rauschgift und wüster Sexualität untergehenden Diktatur. Deren Zentrum war die von Exzessen und Alpträumen angekränkelte Klytämnestra von Daniela Denschlag, hochgewachsen, schlank, trotz Krücke noch als Grande Dame auftretend. Ihre Altstimme kontrastierte herrlich zum dramatischen Sopran-Stahl der Engländerin Rachael Tovey. Ihre üppige Heroinenfigur hatte Regisseur Schmiedleitner mit seiner überlegten Personenregie zum Bild einer deprivierten, ungeschlachten Außenseiterin geformt: mal erschreckend, mal bemitleidenswert mit schönen Pianotönen, nie peinlich, am Ende enthemmt im Blutrausch zu Tode tanzend und zuckend – eine furioser Tragödienmittelpunkt, zu Recht mit Dankesjubel überschüttet.
