Und doch ist es bemerkenswert, wie stark die Darsteller ihren reduzierten – oder eben konzentrierten Figuren in nur 100 Minuten ein Profil zu geben vermögen. Oda Thormeyers trübe Warja ist quasi schon mit Lopachin verheiratet, nur mangelt es am klaren Bekenntnis, Catherine Seiferts Anja verbindet durchgehend Weinerlichkeit mit dem verlogenen Versuch, schön Wetter zu machen; sie alle geben Ausschnitte von Menschen, die in ihrer schlüssigen Darstellung berühren. Barbara Nüsses Ranjewskaja schließlich hat fast etwas von einem weiblichen King Lear. Zu debil, um sich daran zu erinnern, dass kein Geld mehr in ihrem Portemonnaie ist, aber immer bereit junge Männer abzuknutschen. Am Schluss tanzt sie mit Firs in den Tod – ihren eigenen Tod. Eine schlüssige Variation zu Tschechows „Kirschgarten“.
