Leider fiel die musikalische Umsetzung in der von mir besuchten Vorstellung unter der Leitung von Andreas Hotz nicht ganz so konturenscharf aus. Hotz musizierte zügig und pointiert, verlieh aber weder dem Orchesterspiel noch den Chören (Einstudierung: Sebastian Hernandez-Laverny) und Ensembles die nötige Präzision und verfehlte so die fragile Balance aus melodiösem Schmelz und nervöser Spannung, die diese wahrlich geniale Komposition auszeichnet. Gleichwohl beeindruckten die Sänger: vor allem Heikki Kilpeläinen als dunkel-kraftvoller, farbenreicher Renato und der rhythmisch agile, klar und hell timbrierte Oscar von Tatjana Charalgina. Sergey Drobyshevskiy sang den Riccardo mit voll-dunklem, in der Höhe etwas engem Tenor nicht immer mit der nötigen Agilität, stellte sich aber mit großer Seriosität dem Facettenreichtum dieser Partie. Ruth Staffa war eine sehr expressive Amelia, allerdings mit einem die Konturen verwischenden Dauertremolo, Sanja Anastasia eine leidenschaftlich lodernde, nicht immer konturenklare Ulrica. Begeisterter Beifall.
