Dahinter blieb alles Übrige zurück, am schmerzlichsten die Verkörperung der vier Gegenspieler Hoffmanns durch John Relyea: trotz überragender Bühnenerscheinung fehlte ihm in Spiel und Stimme, gipfelnd in einer blassen Diamanten-Arie, die nötige abgründige Faszination. Das mag auch an Giles Cadles Bühne und Richard Jones Inszenierung liegen. Nach dem ersten Moment – Villazón sitzt wie Spitzwegs Poet in einer ärmlichen Ecke – erwies sich Cadles Einheitsbühnenbild als zu großer Raum, um darin trotz aufwändiger Detailverwandlungen und ausgearbeiteter Lichtregie die vier Lebensstationen als Phantasmagorien des Dichterhirns oder als halbreale Erinnerungsbilder oder echte Schauplätze faszinierend vorzuführen. Gelungen wirkten eher Einzelzüge wie rasche Umbauten durch den spielfreudigen Staatsopernchor und überraschende Auftritte aus „unsichtbaren“ Tapetentüren.
Aber vor allem die Schlusssequenz mit dem zwar klangschönen, aber dramaturgisch stimmungstötenden A-capella-Chor, dem nur stummen Stella-Auftritt und dem Reigen aller früheren Figuren machte weder den Durchbruch Hoffmanns zum überragenden Künstler der „Schwarzen Romantik“ noch sein definitives Scheitern anrührend oder gar erschütternd deutlich. Da hätte der ansonsten glänzend straff, akzentuiert und stetig befeuernd dirigierende Constantinos Carydis aus den Möglichkeiten der Werkfassung von Michael Kaye auf einem musiktheatralisch überzeugenderen Finale bestehen müssen – der fast uneingeschränkte Publikumsjubel wäre noch größer gewesen. (Am 21. November überträgt „arte“ die Neuinszenierung live aus dem Nationaltheater.)
