Nachruf: Zum Tod der Schauspielerin und Prinzipalin Katinka Hoffmann

Von Detlef Brandenburg am 13.09.2021 • Bild: Contra-Kreis-Theater
Das Bild zeigt: Katinka Hoffmann mit Charles Regnier in Yves Jamiaques Komödie „Das schwarze Schaf“, inszeniert von Horst Johanning 1986 am Bonner Contra-Kreis-Theater.

Wenn man jetzt, aus dem traurigen Anlass ihres Todes, das Leben der Bonner Theaterfrau Katinka Hoffmann noch einmal Revue passieren lässt, dann stellt man fest: Das war Emanzipation als gelebte künstlerische Biographie. Und so beeindruckt es mehr als jede laute Parole. Katinka Hoffmann war Theaterkünstlerin mit jeder Faser ihres Daseins. Und  sie stand für eine Form von Theater, die immer wieder unterschätzt wird: für das Privattheater, für den Boulevard, für die anspruchsvolle Unterhaltung. Geboren wurde sie 1938 in Breslau, in die Theaterwelt trat sie an der Seite ihres Vaters, der 1950 in einem Bonner Hinterhof das Contra-Kreis-Theater eröffnete, das in der Szene der Privattheater bis heute eine ebenso wichtige wie eigenständig profilierte Rolle spielt.

Schon als Teenager stand Katinka Hoffmann in Bonn auf Vaters Bühne, und bald nicht nur dort. Als 18-Jährige hatte sie bereits Engagements an mehreren Häusern, wenige Jahre später startete sie ihre Fernsehkarriere. Damals spielte das öffentliche Fernsehen noch eine weitaus dominantere Rolle als heute, es war die Zeit der großen mehrteiligen Serien, die buchstäblich die Straßen leerfegten, weil Fernsehdeutschland an der Mattscheibe klebte. Dort sahen sie 1966 Katinka Hoffmann als Sprechstundenhilfe Joyce Dean an der Seite von Ruth Maria Kubitschek, Günther Stoll und Siegfried Wischnewksi in dem Francis-Durbridge-Dreiteiler „Melissa“. 1973 avancierte sie in der Serie „Frühbesprechung“ zu Westdeutschlands erster weiblicher Fernsehkommissarin.

Da hatte sich allerdings bereits ein entscheidender Wendepunkt in ihrem Leben ereignet: Als ihr Vater 1965 sehr unerwartet verstarb, übernahm sie beherzt die künstlerische Leitung des Bonner Contra-Kreis-Theaters und war mit 28 Jahren Deutschlands jüngste Theaterdirektorin sowie eine der wenigen Frauen auf so einem Chefposten überhaupt. Ein Jahr später zog das Haus in seine heutigen Räume: in ein modernes, aber intimes Kellertheater mit kreisrund die Bühne umschließenden Zuschauerreihen an der Universität. Hier spielte Katinka Hoffmann nicht nur Boulevard, sondern auch viel zeitgenössische Dramatik, holte prominente Schauspieler und Regisseure an ihr Haus, inszenierte selbst und stand in über 70 Produktionen als Schauspielerin auf der Bühne. Zuletzt war sie dort 2004 in „Herzlich willkommen“ zu sehen.

Seit 1980 teilte sie sich die Theaterleitung mit ihrem Lebenspartner Horst Johanning, der lange Vorsitzender der Privattheatergruppe im Deutschen Bühnenverein und Vizepräsident des Verbandes war. Ich selber hatte nicht das Glück, Katinka Hoffmann noch persönlich kennenzulernen. Aber mit Horst Johanning verbindet mich eine langjährige professionelle und auch persönliche Beziehung. Und so habe ich viel über sie erzählen hören, wobei ein Merkmal sich wie ein Leitmotiv durch alle Berichte zog: Sie muss eine außerordentlich warmherzige, offene und liebenswürdige Künstlerin gewesen sein. Jetzt ist sie nach schwerer Krankheit im Alter 83 Jahren verstorben. Das Contra-Kreis-Theater verabschiedet sie mit den Worten: „Ihr Humor, ihre Spielfreude, ihre Herzlichkeit und Direktheit auf und hinter der Bühne werden unvergessen bleiben.“