Wie klug hingegen ein einziger, sekundenkurzer Lichtstrahl aus der Seitenbühne eingesetzt werden kann, wenn zwei Tänzer liegend hineinfallen, zeigt Teil zwei „Gloomy triptych on pink“ von Natalia Horecna, langjährige Solistin bei Neumeiers Hamburg Ballett und seit 2006 beim Nederlands Dans Theater I, für das sie bereits mehrere Choreografien schuf. Ihren Namen wird man sich merken müssen.
Ein burlesker Szenenreigen startet zu einem Tom Waits Song und vergeht mit allerlei witzigen und tragischen Bildern wie im Flug zu Melodien u.a. von John Cage, Terry Riley oder Steve Reich. Da legen vier Piraten eine flotte, mit inbrünstigen Schreien unterlegte Sohle aufs Parkett, ehe sie – schwups – mit einem Sprung im Graben landen. Skurril geht es weiter, und die Zeiger einer Wanduhr flirren hektisch im Kreis, während darunter die tot geglaubten, in weiße und schwarze Hemdchen gehüllten Körper abwechselnd von einer Bare steigen, geschmeidige Duette tanzen, synchron Arme und Oberkörper an den Rücken des Partners schmiegen, flirrende Zuckungen und Sprünge zu Elektroklängen aufschrecken, ehe sich beide freundschaftlich die Hand geben und wieder niederlegen in den Tod.
Flink wechseln Soli- und Ensembleszenen, vor allem in letzteren wird Horecnas DNT-Handschrift überdeutlich. In großen Tableaus fließen Synchronizität und intime Pas de Deux unmerklich ineinander – und das Chemnitzer Ballett zeigt sich den stilistischen Anforderungen mehr als gewachsen. Präzise gelingt jeder Übergang, vor allem schafft Natalie Horecna eine wohltuende Mischung aus ästhetisch anspruchsvollem Ballett und humoristischen Passagen: chorisches Hecheln, verzerrte Gesichter, und sitzend wird der synchrone Kopfschuss aller mit einem lauten „Plop“ verziert. Tragikomiker sind sie alle, und voller verstörender Fragen an das Leben.
In einer der stärksten Szenen reihen sich quer über die Hinterbühne alle Tänzer nebeneinander. Von rechts tritt nach und nach jeder vor, zeigt irgendeine Macke, tanzt eine kurze Sequenz, und reiht sich brav wieder ein, oder umarmt alle nochmal, oder klappt ein paar Köpfe zur Seite weg. Sie sind eins, und doch ist jeder anders. Ein bisschen wie wir alle. – Vielleicht hat es den ersten Teil des Abends als Kontrapunkt gebraucht.
