Dmitri Tscherniakow erntete, kaum dass sich der Vorhang das erste Mal hob, freudigen Beifall für sein erstes Bühnenbild: Hinter drei majestätischen Kiefernstämmen eröffnet sich in leichtem Morgennebel eine weite Schilfuferlandschaft – so, also sollten Gorkis „Spätsommergäste“ gegeben werden. Neben Fewronijas Holzhütte und mit etwas Abstand zum Esstisch im Freien ragen drei recht roh gezimmerte Leitern in den Rundhorizont: eine erratisch immer wieder aufkreuzende Kleinfamilie – Vater, Mutter, Kind – leisten der Einsiedlerin Gesellschaft, verschönern ihr das Dasein mit einem an einen Baum genagelten Stillleben und bleiben ihr bis zu Tod und Verklärung treu.
Die Stadt Kitesch wird in Tscherniakows entschiedener Bildwelt vom „Haus des Volkes“ in einer postsowjetischen Provinzhauptstadt repräsentiert. Das Volk feiert vor der trostlosen Fassade und wird von einer Art tschetschenischer Terroristen aufgemischt. Im Inneren des Mehrzweckgebäudes findet die große und erfolgreiche Bitte um Errettung von Mord, Plünderung und Vergewaltigung statt. Die Arme Fewronija erwischt es bei der Beuteteilung der Tartaren trotzdem. Der postsowjetische Regisseur zeigt die „politischen Wirren“ und deren für die Einzelnen mitunter unerfreulichen Begleiterscheinungen drastisch und klar. Daher ist die Wiederkehr des traulich erleuchteten Eremitenhäuschens zur Entrückung, die von allzu frommen musikalischem Schwelgen wattiert wird, doch noch plausibel.
