Wenn sich am Ende dann der Kapoor-Spiegel über dem Loch herabsenkt, dann ist das eher das abstrakte Zeichen für eine Implosion als für irgendeine Art von Hoffnung, die in der Komplettierung ja auch liegen könnte. Parsifal erlöst Amfortas, indem er ihn mit dem Speer niedersticht. Und geht. Für das restliche Personal zieht Audi einfach den Stecker – allesamt gehen sie zu Boden. Nur Gurnemanz bleibt aufrecht, möglicherweise als der Chronist des Nichts. Kann gut sein, dass die sparsamen Installationen Kapoors zu Audis konventionell erzählender Personenführung ein „Zum Klang wird hier der Raum“ imaginieren sollen – doch szenisch bleiben Zweifel und Fragen
Musikalisch dagegen gab es vokale Gewissheiten und geradezu bewusstseinserweiternde Antworten! Sängerische Qualität gehört zum Markenzeichen des Intendanten Audi. Und da gibt es auch bei diesem „Parsifal“ kaum etwas auszusetzen. Christopher Ventris ist ein sich wunderbar steigernder, strahlkräftiger und mitfühlender Parsifal. Petra Lang überzeugt als erstklassige hochdramatische Kundry, die auch für exzessive Stöhnzugaben genug Kraft hat. Alejandro Marco-Buhrmesters gehört sowieso zu den besten Amfortas-Interpreten, und auch Mikhail Petrenko macht aus seinem Klingsor (und gleich noch aus Titurel) eine eindrucksvolle Studie der Verzweiflung. Dass Falk Struckmann wohl nicht mehr von seiner manierierten Artikulation abzubringen ist, lässt sich bei seinem militant zugespitzten Gurnemanz ohne jede balsamische Güte verschmerzen, zumal es weder beim übrigen Ensemble noch beim Chor ernsthafte Abstriche gibt.
Das eigentliche Parsifal-Ereignis kommt freilich aus dem Graben. Iván Fischer flutet den Saal geradezu mit all der transparenten Klangopulenz, zu dem Hollands Nobelklangkörper, das _Concertgebouworkest_, imstande ist. Dabei bevorzugt er eine eher flotte Gangart, die gleichwohl nicht gehetzt wirkt, er trägt die Stimmen und sorgt so für den Zauber und das große Mitfühlen, das auf der Bühne oft nur Behauptung bleibt. Der Jubel war – wie in Amsterdam üblich – kurz aber heftig und einhellig für alle.
