Anders als die meist feinsinnig abwägenden Stücke im JES strapaziert „Das Babylon-Projekt“ letztlich den Dualismus von Wertbewahrern und Fortschrittsgläubigen, der bei Immobilienprojekten so gern bedient wird. Die Kinder der Schuhmachers erkennen im Lauf des Stückes, das in dem Haus ihre eigenen Wurzeln stecken. Aber das Stück bleibt die Argumente schuldig, welchen Wert das Bewahren überhaupt hat. Manifestiert sich familiärer Zusammenhalt allein durch ein bürgerliches Einfamilienhaus?
Hemmerle lässt historische Figuren wie den Armen Konrad und den Herzog Carl Eugen auftauchen, um deutlich zu machen, dass Fortschritt immer auch Abschied bedeutet hat. Er zeigt die Nöte der Familie, aber als Stück kann „Das Babylon-Projekt“ trotzdem nicht überzeugen. Die biblischen Anspielungen auf den Turmbau zu Babel bleiben bemüht. Die Figuren wurden nicht aus Charakteren heraus entwickelt, sondern sind typisiert und passend gemacht, um den Konflikt zu exemplifizieren – und werden in der Inszenierung wiederum persifliert. Da kommt der Vater (Peter Rinderknecht) nicht mehr vom Sitzsack hoch oder ruft die Mutter (Sabine Zeininger) hysterisch „Meine Rescue-Tropfen!“ Am stärksten ist ausgerechnet die Figur des Projektentwicklers, den Gerd Ritter durchaus sympathisch spielt und der psychologisch versiert ist – und letztlich deutlich klüger und reflektierter als die vier Schumachers zusammen.
