Jeder der fünf Reisenden (Lisa Natalie Arnold und Sandro Tahjouri, Martin Vischer, Dominik Maringer und Oscar Olivo) hat zuvor von einer der „Faserland“-Stationen erzählt – vom Sylter Liebesgetändel auf den Höhen der High Society wie von der Drogen-Orgie in Hamburg, vom misslungenen Freundschafts-Treff in Frankfurt wie vom erotischen Verbindungs-Exzess in Heidelberg, vom Tod am Bodensee, wo ein Kind reicher Eltern (und Freund des Erzählers) nach einer Party leblos im See treibt, wie von des Autors Besuch an Thomas Manns Grab in Zürich mit anschließender Ruderpartie auf dem See. Die Bühnenhandlung mischt sich dabei stetig mit Bert Zanders Videos, in denen das Ensemble tatsächlich alle Orte besucht – das muss eine Produktion mit hohen Reisekosten gewesen sein.
Nur wozu? Krachts Roman schärft heute bestenfalls den Blick auf eine Junge-Leute-Generation, deren demonstratives Desinteresse an fast allem sie selten wirklich produktiv werden ließ. Er ist spürbar von gestern – und deshalb ist auch dieses eine, kurze Museumsbild so schön. Jenseits dieser Distanz kann ihm auch Inszenierung kaum Tiefe geben – und warum Lehnigers Wasser-marsch-Arbeit im „Jungen Schauspiel“ und nicht im hannoverschen Hauptspielplan herausgekommen ist, bleibt für immer rätselhaft.
