Dazu besitzt Nürnberg Oper in Hrachuhí Bassénz eine Titelheldin, deren Koloraturen auch Erschauern, Angst und zitterndes Lebensgefühl ausdrücken können, deren Sopranlyrik auch zur Expansion einer großen Leidenschaft fähig ist – zu Recht Ovationen! Mikolaj Zalanski trat überzeugend als bulliger Provinz-Patriarch auf und „bellte“ gekonnt zunächst Violetta, später auch Alfredo an und nieder. Der junge Fulvio Oberto gab den bebrillten Liebhaber und sang sich überzeugend fahrig zerrissen die Seele aus dem Leib. Der neue GMD Marcus Bosch trug das ohne Masken- und Karnevalschöre pausenlos in zweieinhalb Stunden ablaufende Drama hörbar überzeugt mit: Da gab es das schockierte Innehalten und den großen Aufschwung. Aus all dem erwuchs ein bewegender Musiktheaterabend – und Verdis Wahrheit in all seiner humanen Tiefe. Zweidimensionaler theatralischer Trost für alle, die nicht nach Nürnberg kommen können: Die Grazer Erstausgabe der Konwitschny-Inszenierung ist bereits als DVD erschienen.
