Die innere und äußere Verwüstung, die Bunuel im Film zeigt, wird szenisch kaum nachempfunden. Dem Überlebenskampf im zweiten Akt – inzwischen ist eine Wasserfontäne aus dem Boden geschlagen – fehlt die Zuspitzung. Zumindest die Musik härtet Adès durch Schlagzeug. Für die Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs hat er endlose Koloraturen geschrieben. Erst im dritten Akt beginnt der Komponist zu zaubern. Endlich entfaltet seine Musik eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Gerade die zurückgenommenen Szenen wie die von einer Gitarre begleitete Arie der Leonora, die die überragende Anne Sofie von Otter mit dunklen Farben wärmt, hat ebenso einen existentiellen Tonfall wie die sich überlappenden orchestralen Schichten, die Adès mit großer Meisterschaft zusammenführt. Aber auch die mit Ostinati arbeitenden, großen Orchesterausbrüche sind beklemmend in ihrer Wucht und Fokussierung – grandios umgesetzt durch des ORF-Radiosymphonieorchester. Im guten, ausgeglichenen Solistenensemble setzen der britische Bass John Tomlinson als dominanter Doctor Carlos Conde, Sally Matthews als hysterisch-brillante Silvia de Ávila und Christine Rice in der hochdramatisch gestalteten Partie der Pianistin Blanca Delgado die stärksten Akzente. Aber auch Iestyn Davies (Francisco de Ávila), Frédéric Antoun (Raúl Yebenes) und David Adam Moore (Colonel Álvaro Gómez) hinterlassen Spuren. Am Ende gelingt der Gesellschaft doch noch der Ausstieg durch den brillanten Gesang von Audrey Lunas Leticia. Alle schreiten vorsichtig durch das große Holztor. Und der Salzburger Bachchor summt dazu, ehe heftig Schlagzeugattacken und scharfes Blech die zarten, von Glocken umspielten Klänge beenden und die Oper regelrecht abschneiden.
