Das „Dreigroschen-Finale“ à la Weill findet jedenfalls als symbolkräftiger Schluss auf leerer Bühne statt, und zwischendurch zerrinnt den zehn Interpreten der Sand immer wieder variationsreich zwischen ihren Händen: beides Ausdruck einer Vergänglichkeit, von der auch Gustav Mahler im letzten seiner „Rückert-Lieder” auf so wundersame Weise spricht. Auch wenn sich Zöllig auf eine Begrifflichkeit bezieht, die aus der Antike stammt, lässt er sich die Vielschichtigkeit seiner Thematik nicht nehmen und fasst die „Vier Temperamente” in eine choreografische Form, die keinerlei Verkrampfung kennt, immer sehr spielerisch ist und aller Komik zum Trotz eine Ernsthaftigkeit besitzt, die nicht ohne Eindruck bleibt auf das Publikum. Bei der Premiere im Theaters Gütersloh jedenfalls gerät es ganz aus dem Häuschen.
Schließlich ist das Stück nicht einfach anzuschauen. Es wird auch aussagekräftig und durchaus differenziert getanzt. Mélanie Forgeron macht mit einem viel versprechenden Mezzosopran auf sich aufmerksam. Und die Bielefelder Philharmoniker unter Leitung von Leo Siberski bleiben den „Vier Temperamenten” keinen einzigen Ton schuldig, sondern musizieren so, wie man das von einem solchen Abend erwartet: mitreißend und voller Empfindung.
