Alle Mitwirkenden beglaubigen das Konzept durch ihre darstellerische und musikalische Gestaltung. Der junge Yorgos Xiavras, der auch an Cembalo und Regal zu erleben ist, leitet die fünf Streichersolisten der Niederrheinischen Sinfoniker zu federndem, farbenfrohem Spiel an. Shinyoung Yeo spitzt seinen mächtigen, noch etwas ungeschliffenen Bariton schön stilkonform zu, hat viel Präsenz und ein wenig Mühe mit der englischen Sprache. Die eingesprungene Dimitra Kalaitzi-Tilikidou, die sich erste Sporen im jungen Ensemble des Musiktheaters im Revier verdient hat, erfreut mit dramatischem Drive und durchgebildetem Mezzosopran. James Park hat ein schönes Lächeln in der Stimme und unterzieht sich den nicht eben dankbaren Aufgaben, die die Barockmusik für die Tenorstimme bereithält, mit Strahlkraft, Geschmack und Würde. Mittelpunkt des Abends ist Amelie Müller. Die halsbrecherischen Koloraturen in ihrer ersten Bravourarie führen sie noch in persönliche Grenzbereiche, danach verzaubert sie mit ihrer Spielenergie, ihrem jugendlich frischen Soprantimbre und dem Farbenreichtum besonders ihrer Mittellage, der in melancholischen Stücken und besonders in der fröhlich-narzisstischen „Semele“ – Arie „If I persist in gazing“ auf das Allerschönste zur Geltung kommt.
Es ist zu wünschen, dass sich auch für die nächsten Jahrgänge Geldgeber finden, damit die Gemeinschaftsbühnen ihre so niveau- wie verdienstvolle Opernstudioarbeit, die durchaus Ausnahmekönner wie jüngst den Bariton Sebastian Seitz hervorgebracht hat, weiterführen können.
