Hervorragend gelingt dies vor allem Oskar Ketelhut als Onkel Wanja, wenn er, wie ein Kind den Kopf auf die Arme gekuschelt, über den Tisch guckt und sich in einen Lebenstraum verliert, von dem er längst weiß, dass er zerplatzt ist. Umso heftiger sein Ausbruch gegen den Professor, dessen Ideale er einst teilte, und von dem er sich ausnutzen ließ als Arbeiter auf dem Gut, so dass er sein eigenes Leben verpasste. Ketelhut spielt wunderbar auf der Schneide zwischen bitterer Selbstironie und kindlichem Trotz, ein gutmütiger Gefühlsmensch, dem die Seele überkocht.
Sein intellektuelles Pendant ist der Arzt Aster, der Helfer der Menschen und Schützer der Natur auf dem Weg zum alkoholisierten Zynismus. Erkki Hopf zeigt gut die innere Zerbrochenheit, die nur noch dürftig durch äußere Form verhohlen wird. Beide sind verliebt in die junge Frau des Professors, Helene. Birthe Gerken spielt sie etwas zu handfest für ein Undinenwesen, dessen bloße Anwesenheit einen lähmenden Zauber über das Haus legt und alle Selbsterkenntnisse zur Sprache bringt, die sonst in klagloser Arbeit verborgen blieben. Und während Wilfried Dziallas als Professor wie ein nöliger Egozentriker aus seinem Wolkenkuckucksheim herübergrüßt, gehen die Tatmenschen unter dem Eindruck der Krise wieder an ihre Arbeit: Birte Kretschmer spielt überzeugend die innere Versteinerung, mit der sie nach den nur vermeintlichen zwischenmenschlichen Erwärmungen wieder in ihren Dienst flüchtet. Und Uta Stammer verkörpert als alte Kinderfrau die völlige Übereinstimmung von Arbeit und Leben, gleich derb und doch gütig gegen jedermann, solange nur pünktlich gegessen wird.
Wem Tee nicht hilft, dem hilft ein Kööm. Uta Stammers starke Präsenz gibt vielen Szenen Halt und Grundlage. Wenn die Stricknadeln klappern und die Feder kratzt, ist für Nihilismus kein Platz mehr. – Eine schöne Ensemblearbeit!
