Für die Akte 2 und 3 ließ Daniela Kerck ohne Wenn und Aber eine Illusionsbühne bauen: Der Festsaal des Schlosses ist in nebulöses Grusellicht getaucht und mit wehenden Gardinen der Angst garniert. Die Detektive verlegen nun ihre Ermittlungen direkt dort hinein, ohne dass diese Verquickung der Realitätsebenen die Aufführung künstlerisch in Fahrt brächte. Die Verhöre führt die Regisseurin, wie bei Hercule Poirot gelernt, zu einer finalen Versammlung der Hauptverdächtigen zusammen, um schließlich die Rätsel minutiös zu entzaubern. Was alles so nicht im Libretto steht. Muss es auch nicht. Aber es sollte schon reizvoll überraschend und dramatisch konsequent oder krimiironisch amüsant sein. Es ist aber genauso witzlos, unpointiert, langweilig klischeehaft wie es die Dialoge der beiden Ermittler sind. Es geht halt – um nichts.
Wobei: Von einer inhaltlichen Idee ist doch zu berichten. Loschky verlegt die Handlung aus dem vorvorletzten Jahrhundert zum Ende des 1. Weltkriegs. Seither werden Opernstoffe, in denen wie hier das Militär verehrt und ein „Offizier des Königs“ als Popstar umschwärmt wird, kaum noch ungebrochen gespielt. Aber wenn nun der schmucke Krieger (Nicola Amodio mit hochgetuntem, aber leider blassem Tenor) mit schmutzigem Unterhemd als Friedensfahne auftritt und Loschky in ihrer Textfassung behauptet, er wäre in den Schützengräben des ersten industriell durchgeführten Krieges geistig zerrüttet worden, dann aber zur Illustration nur den Chor im Partygästegewand mit Gasmasken um ihn herumkrabbeln lässt, dann funktioniert das nicht als ernsthafte Auseinandersetzung: wirkt eher zynisch statt kritisch.
Und die Musik? Nun, ja. Mehr als eindimensional sind die Figuren auch in der Partitur nicht zu erleben. Aber einfallsreich und effektvoll kommt sie daher, mit aparter Instrumentierung, rhythmisch perlender Raffinesse und melodischer Eleganz. Liebliche Duette hat Boieldieu komponiert, kraftvolle Chorsätze, Arien für Belcantofreunde – und im Schatten Mozarts reichlich Rossini-Déjà-vus. Lässt sich gut weghören. Auch wenn das Staatsorchester unter Vito Cristofaro mit gedehnten Tempi und schlankem, gedämpftem Klangbild den Esprit unterschlägt. Das Premierenpublikum zeigte sich ziemlich begeistert von diesem verquatschten Opern-Biedermeier.
