Teil zwei führt tatsächlich in Blaubarts Schloss: Ein langer Tisch, verschiebbare Wände und Türen. Das Orchester des Hessischen Staatstheaters unter der Leitung von Wolfgang Ott gießt, vorzüglich dosiert, Philipp Glass in den düsteren Raum. Verschlungene Pas de Deux von Blaubart (Giuseppe Spota) und Judith (Valeria Lampadova) zeugen von grenzenloser Vertrautheit, die gluckenhafte Anwesenheit der Mutter Blaubarts eher von traumatischen Kindheitsmustern. Hier nun dringt die Vergangenheit bruchstückhaft ein: Geschickt springt Thoss zwischen den Zeitebenen, indem flink gedrehte Türen jeweils das Innere der Schlosskammern preisgeben: die verflossenen Frauen Blaubarts und dessen vormals brutale Triebe. Bis die letzte Tür zur Vertrauensprobe wird.
Nicht nur technisch brilliert Thoss’ Ballettensemble. Auch erfreut es mit einer Ausdrucksstärke voll subtiler Gesten, unkonventionell, erfrischend. Am Ende liegen Judith und Blaubart übereinander, vereint – auf dem Rücken. Nach dieser Art von Tanztheater kann man süchtig werden.
