Wir hören und sehen wie Georgia Jarman als Königin Isabel dem aufgebrachten Volk ihren feurigen Sopran entgegenschleudert, wie sie mit Mortimers Hilfe Gaveston ermorden lässt und daraufhin von ihrem Mann verstoßen wird. Mitchell lässt die Figuren in modernen Kostümen auftreten und in einem unterkühlten Ambiente psychologisch glaubwürdig, gelegentlich auch in Zeitlupe agieren. Immer sind die beiden Königskinder – der in hoher Tenorlage beeindruckende Samuel Boden und die stumme Ocean Barrington-Cook – Beobachter des Geschehens, das stets im selben Raum stattfindet. Der wird nach jeder Szene bei geschlossenem Vorhang um 90 Grad gedreht, während die Philharmoniker unter Kent Naganos sensiblen Dirigat den Gefühlsaufruhr in bravourösen Zwischenspielen musikalisch fortschreiben: ein ständiger Wechsel der Perspektive auf die verheerenden Verstrickungen von Liebe und Macht, bei dem das riesige Aquarium, in dem anfangs noch bunte Fische schwimmen, zuerst vereist und zuletzt nur noch einen abgestorbenen Unterwasserfelsen beherbergt. Auch unter den Menschen zieht der Tod in diesem auskomponierten Polit-Thriller noch weite Kreise. Überschäumend lebendig ist dagegen der Schlussapplaus für dieses intensive, 90-minütige Kammerspiel. Stellvertretend für die Regisseurin verbeugt sich Dan Ayling, der die szenische Einstudierung besorgte.
