Der Komponist kreierte aus dem einst heiß umstrittenen „Reigen“ polyglotte Theater-Musik, diskursiv oder ‚beredt’. Seine Schreibweise verweist auf den französischen Philosophen Gilles Deleuze. Indem sie die theatralen Subjekte dekonstruiert, bringt sie die Erzählformen durch die Repetitionen zum Stottern. Zugleich reagiert die mit elektronischen Mitteln operierende Komposition auf mediale Muster, die die Wahrnehmung der althergebrachten Wiederholung als zugleich kommunikatives und ästhetisches Mittel ins Bewusstsein heben. Für einen Hauch Nostalgie sorgen Bezugnahmen auf „Halbseidenes“ aus älterer Unterhaltungsmusik – tändelnder Cha-Cha-Cha-Anschub oder Anklang an die Hammondorgel.
In der partiellen Sparsamkeit der Mittel zeichnet sich die „Reigen“-Musik von Lang gegenüber der von Fabio Vacchi (Florenz 1982) und Philippe Boesmans (Brüssel 1993) positiv aus. Almerija Delic als Repräsentantin des Straßenstrichs und Cornel Frey als schäbiger Freier eröffnen den Reigen, bei dem sich Clara Melonie als durchaus willentliches Haus- und Schulmädchen profiliert sowie Kai-Uwe Fahnert als grotesk moralisierender Ehemann und zum Doppelschlag nicht aufgelegter melancholischer Privatier. Mit seinen unterschiedlichen verbalen Verpackungen und Verbiegungen, Entblößungs- und Direktheitsgraden ist dieser neue „Rei:gen“ eine bemerkenswerte Fortschreibung des „Theaters der Wiederholungen“.
