Doch bei aller furchteinflößenden Qualität der düsteren Bilder Pys und seines Ausstatters, der auch die edlen, ausdrucksstarken, spanisch angehauchten Kostüme entworfen hat, überzeugte die musikalische Seite noch mehr. Das Staatsorchester spielt unter Paolo Carignani hoch inspiriert und klangschön, wunderbar ausbalanciert und bis in die kleinste Wendung hinein beseelt. Die weitgespannten Kantilenen schweben förmlich, Lautes ist immer weich gefedert.
Und da waren die berühmt-berüchtigten vier Weltklassesänger, ohne die ein „Trovatore“ nicht funktionieren könne: Elena Manistina als zugleich orgelnde und in der Höhe gefährlich scharf klingende Azucena mit großer Bühnenpräsenz und Alexey Markov als zunehmend ausdruckvoller und seine profunden baritonalen Mittel nicht nur ausstellender Graf Luna. Vor allem aber Anja Harteros und Jonas Kaufmann, das Traumpaar aus dem „Don Carlo“ in München (wieder bei den Opernfestspielen und bald in Salzburg). Anfangs stemmte Kaufmann seinen Manrico mit etwas zu viel Kraft, doch dann sang er sich frei und konnte seinen so unverwechselbar timbrierten, immer exquisit männlich klingenden Tenor weich und ausdrucksvoll modulieren. Anja Harteros konnte mit ihrem mittlerweile herrlich eingedunkelten, aber nach wie vor ungemein leuchtkräftigen Sopran alle Facetten dieser Partie musikalisch differenziert gestalten und auch spielen – bis hin zur letzten Arie, gesungen an der Hand eines Tänzers in schwarzer Ganzkörper-Strumpfmaske als Tod mit Gift in einem großen Weinglas, das er ihr kredenzt. Leonora stirbt im Delirium, die leisesten und anrührendsten Töne der Welt auf den Lippen, sich langsam in eine andere Welt drehend.
