So blieb es bei hübschen Einzelheiten. Metierbewusst wie Richard Strauss bei seinem späteren „Rosenkavalier“ hat Chabrier angesichts eitler Tenöre aus dem jungen, ebenso pfiffigen wie sentimentalen Lazuli eine Hosenrolle für eine agile Sopranistin gemacht. Stephanie Hampl überzeugte als gevifter Straßenhändler, der anhand seiner Tinkturen vorführte, wie im kleinen Behandlungsraum seines Dreiradautochens – Tür zu, Tür auf – eine ältere Dame mal Bartwuchs bekam, mal zum Edelköter mutierte und am Schluss drastisch verjüngt als Model davon stakste. Darüber hinaus aber verstrahlte sie all den hingerissenen Charme des sterblich Verliebten und machte ihre Liebesarie zu einem intim anrührenden Höhepunkt des Abends. Sally du Randt genoss nach den großen Opern-Tragödinnen nun alle „Ausrutscher“ der frustrierten Diplomatengattin, die sich kontinuierlich zutrinkt und alle greifbaren Männer „verbraucht“. Zu Recht Zentrum des Abends war Eric Laportes König Ouf. In einer protzig ausgespielten Mischung aus Mooshammer und Ludwig II. beschwerte er sich über mangelnde Ehrerbietung seitens des Publikums und übte – mit Erfolg! – das Aufstehen für „Seine Majestät“, um beim murrend sitzenbleibenden Orchester festzustellen: „Typisch Gewerkschaft!“ Sonstige störende Mitmenschen auf der Bühne erschoss er kurzerhand – am Ende auch die Dirigentin. Das war die absurde Stilebene, die dem ganzen Abend zu wünschen wäre. Wie turbulent-witzig das Werk sein kann, hat eben wieder die Opern Frankfurt bewiesen.
