Nur einmal blitzt auf, was aus diesem zweieinhalbstündigen Abend hätte werden können: In einem großartigen Solo zeigt Catharina Kottmeier, wie ihre verhärmte Sonia am Morgen nach einer Kostümparty, bei der sie ausnahmsweise mal aus sich herausgegangen ist, von einem Mann angerufen wird und es gar nicht fassen kann, dass sich jemand für sie interessiert. Das ist so anrührend wie komisch – aber ein einsames Glanzlicht an einem Abend, dessen dramatischer Höhepunkt sich in einer langen Tirade des erbosten Vania (Berth Wesselmann) erschöpft: Erzürnt durch Spikes respektlose Handynutzung während des Stückvortrags entlädt sich Vanias Frust über die angebliche Bindungslosigkeit der Multimedia-Generation. So intensiv Wesselmann das spielt – der Ausbruch kommt inszenatorisch aus dem Nichts und bleibt inhaltlich folgenlos. Nicht nur hier vollzieht der Abend genau jene Ranschmeißerei, die Vania parteilichen TV-Sendern in den USA vorwirft: Der Zuschauer wird mit nichts behelligt, was er sich nicht eh schon selber denkt.
