Wolfgang Adenberg, von dem Buch und Liedtexte stammen, destillierte aus dieser bitterbösen Vorlage ein musikdramaturgisch hervorragend gebautes Musical, das sich schon gegen Ende des ersten Akts zuspitzt und gegen Ende immer mehr Fahrt aufnimmt. Marc Schubring komponierte eine, von Frank Hollmann exzellent instrumentierte Musik dazu, die stetig dramatischer und dissonanter wird. Dabei beginnt das Ganze bewusst gefällig (szenisch allerdings mit einem durchaus realistischen Koitus), um der Süße immer mehr musikalisches Gift beizumischen, was das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz unter Andreas Kowalewitz mit der richtigen Mischung aus musikalischer Dramatik und präzisem Musical-Ton spielt.
Tolle Solo-Nummern gibt es für ebenso tolle Sängerdarsteller wie Anna Montanaro (Marquise de Merteuil), die ihr Credo in zwei fulminanten „Arien“ kundtut („Siegen oder Untergeh’n“ und „Liebe macht uns schwach“), den am Ende des ersten Akts größenwahnsinnig gewordenen Valmont alias Armin Kahl („Allmächtig“) oder die zutiefst tragische Figur der Madame de Tourvel (Julia Klotz), deren „Stark wie der Tod ist die Liebe“ ebenfalls Kult werden könnte. Dagegen fehlt den Nummern für Cécile (Anja Haeseli) und Chevalier de Danceny (Florian Peters) naturgemäß etwas die Fallhöhe, was die Leistung der beiden freilich nicht schmälert. Auch das Dutzend Nebenrollen – darunter Gärtnerplatz-Legende Gisela Ehrensperger – macht seine Sache in den verschiedensten Partien hervorragend.
Ein großer, verstellbarer Spiegel wie im Bordell dominiert die fast leere, schwarze Bühne von Rainer Sinell, begrenzt von farbigen Linien aus Licht, und gibt immer wieder von oben den Blick frei auf das Geschehen in und um ein unterschiedlich beleuchtetes Rechteck und die rapide ineinander fließenden Szenen, die sich auf der Drehbühne ereignen. Josef E. Köpplinger hat das ebenso temporeich – und teilweise durchaus drastisch – inszeniert und dem Ganzen einen scharfen szenischen Feinschliff verliehen.
