Augsburg kann nicht nur die sieben Nebenrollen der Höflinge aus dem Ensemble exzellent besetzen, sondern hat mit dem fantastischen, charismatischen Bassbariton Oliver Zwarg als Gyges, dem szenisch enorm wendigen und höchst ambivalenten Charaktertenor Mathias Schulz als Kandaules und nicht zuletzt der ungemein vielseitigen und immer musikalisch wie szenisch enorm präsenten Sally du Randt, die am Ende das dramatische Potential ihrer Stimme bis zum Anschlag ausreizt, Sänger und eine Sängerin für die Hauptpartien, die die zunehmende Sprengkraft der Partitur von 1936 kongenial umsetzen; einer Partitur, die zu zwei Dritteln nur in verschiedenen Versionen und als Particell überliefert ist, und die erst 1996 von Anthony Beaumont vollendet und instrumentiert werden und in Hamburg uraufgeführt werden konnte.
Im Gegensatz zum recht genau beschriebenen Anteil Beaumonts in einem dem „Kandaules“ gewidmeten Musik-Konzepte-Band ist das Ausmaß der Arbeit des ursprünglich vorgesehenen und dann mitten in den Vorproben am Ende der letzten Spielzeit erkrankten Regisseurs Fioroni unklar. Das Bühnenbild stand somit fest, wohl auch die Unterbrechung mitten im zweiten Akt, bevor Gyges auf Nyssia trifft. Spektakulär hebt sich da nach der Pause die Unterbühne und wir sehen auf Nyssias unterirdisches Gemach, ausgestattet mit Vorhängen, hinter denen man sich verbergen kann und die zugleich eine exotisch-erotisch aufgeladene Atmoshäre gerieren. Links und rechts daneben zwei kleine Räume, in denen mal Nyssia in ein üppig ausgreifendes blaues Kleid steigt oder – warum auch immer – Gyges sich mit Fischen übergießt, als stände er unter einer Dusche. Dem Fisch als christlichem Symbol für Jesus ähnlich, trägt Gyges zunächst eine Kette mit einem Kreuz, das er später gegen die Kette mit dem – heidnischen – (Zauber-)Ring tauscht. Auch hier also das Zusammentreffen verschiedenster Kulturen mit tödlichem Ausgang.
Jetzt gibt auch Domonkos Héja, der mit dieser Produktion erstmals als neuer GMD am Pult der Augsburger Philharmoniker steht, seine Zurückhaltung auf, legt nicht nur Wert auf impressionistische Abstufungen des Klangs und jugendstilhaft sich verästelnde Arabesken, sondern betont Schärfen, nicht zuletzt des Blechs, zieht immer wieder das Tempo an und lässt die Musik opalisierend schillern bis hin zum fatalen, dissonant aufrauschenden und sich verkeilenden Ende.
