Immer wieder lässt Verdi die Figuren in dieser fünfaktigen Oper (gespielt wird die italienische Fassung) allein. Die Gesangslinien sind in der Orchesterbegleitung oft ganz dünn instrumentiert. Pausen, die Dirigent Bollon verstörend lang werden lässt, sorgen für Zweifel am zur Schau gestellten Pathos. Die Protagonisten sind gespalten zwischen privatem Glück und Staatsraison. Der französische Gouverneur Montfort, in dem der Bariton Juan Oroczo mit kantablen Legatolinien auch die zärtliche Seite entdeckt, ist oberster Herrscher der Besatzer und, wie er im dritten Akt erfährt, Vater von Arrigo. Auch der uneheliche Sohn ist hin- und hergerissen zwischen der verwandtschaftlichen Verbindung und seiner politischen Überzeugung.
Diesen Konflikten ist Michael Sturm in dem hell ausgeleuchteten Bühnenbild (Licht: Markus Bönzli) auf der Spur, wenn er die Distanz zwischen Vater und Sohn zu Beginn des dritten Aktes räumlich deutlich macht. Aber auch mit den Massenszenen weiß Sturm viel anzufangen. Die Volksfrömmigkeit setzt er mit einer großen, im Laufe des Abends wiederkehrenden Madonnenskulptur ins Bild, zum Volksfest wird eine Tarantella getanzt. Besonders berührend gelingt das Ende des zweiten Aktes, wenn die sizilianischen Bräute nach der (nicht gezeigten) Massenvergewaltigung mit offenen Blusen und apathischem Gesichtausdruck wieder auf die Bühne zurückkehren.
Der Freiburger Opern- und Extrachor (Leitung: Bernhard Moncado) hat mit seiner darstellerischen Präsenz und seiner gesanglichen Qualität großen Anteil an dem Premierenerfolg. Das Philharmonische Orchester Freiburg sorgt nach leichten Startschwierigkeiten für große solistische Momente (Holzbläser!), einen federnden Secco-Klang und höchste Dramatik in den vielen klanglichen Zuspitzungen.
