Die gebürtige Kroatin, die Brücken zwischen Kulturen schlägt, erweist sich als Meisterin des szenischen Skizzierens. Filmisch schnell verknüpft sie die Bilder. Und doch haben ihre Figuren eine bemerkenswerte Tiefe. Regisseurin Eder tas-tet sich klug an die starken Gefühle der Gehetzten heran. Behutsam öffnet der kontrollsüchtige Dichter Bernhard, von Philip Heimke sacht ins brotlose Künst-lerklischee verrückt, die Jalousie. Sein Blick verrät Angst. Hinter eingepeitsch-ten Ritualen lauert Schmerz. Jana Alexa Rödiger und Max Hemmersdorfer jog-gen vor und nach dem Sex. Dass der Mann fremdgeht, treibt sie in eine Depres-sion. Die allein erziehende Lena lässt Sophie Köster an ihrem Kind scheitern. Dass der Tod der alten Frau Wickert die ungleichen Menschen einander nahe bringt, ist ein intelligenter Kunstgriff der Autorin. Und doch bleiben sie sich fremd. Zeljco Marovic entgleitet die Dame, deren Sterben öffentlich wird, mit Besen und Flachmann in die Karikatur.
Im modrigen Rohr- und Kellerlabyrinth, das Michaela Muchina geschaffen hat, verlassen die Grenzgänger ihre Wohnkapseln. Sie hausen in Schächten, auf grünspanbewohnten Rohren oder in neonkalten Aufzügen. Die innovative Büh-nenbildnerin, deren Hang zum Surrealen unübersehbar ist, lässt sie nicht im Le-ben ankommen. Christine Eder treibt sie wie Alptraumfiguren in einen Toten-tanz. Kaufhaus- und Jahrmarktmusik begleitet ihr Leben aus Plastiktüten. Die Musikalität, die Regisseurin Eder in Zics schnörkellos klarer Textpartitur auf-spürt, verzaubert. Nur selten straucheln die überzeugenden Schauspieler. Dann verführen sie Zics Zeitgeist-Assoziationen zu plumper Komik, die nicht immer passt. Da stolpert der Pizzabote im Aufzug über die Leiche der alten Frau. Und das mit viel Theaterdonner. Der Ausflug in die wirre Welt des Slapstick mag manche zum Lachen bringen. Zics ebenso feinem wie brillantem Humor wird das kaum gerecht.
